M5 MacBook Pro Teardown: Warum macht Apple den Akkutausch kompliziert und teuer?
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M5 MacBook Pro Teardown: Warum macht Apple den Akkutausch kompliziert und teuer?

Das neue MacBook Pro mit M5-Chip sieht aus, fühlt sich an und funktioniert fast genauso wie das Modell vom letzten Jahr. Wenn man nicht genau hinschaut, könnte man meinen, man hätte das Upgrade verpasst – genauso wie Apples sehr zurückhaltende Marketingkampagne dafür. Aber beim Öffnen zeigen sich dann doch sehr kleine Schritte in Richtung einer Zukunft, in der auch MacBooks endlich reparierbar werden könnten.  

Klar, es gibt einen Leistungsschub: Die M5-Architektur verdoppelt den maximalen Speicher auf 4 TB und verbessert SSD-Geschwindigkeiten sowie Speicherbandbreite. Aber für die meisten Nutzer der M-Serie ist das kaum ein Grund, ihr Modell aus dem Jahr 2024 – oder auch 2023, oder sogar 2022 – gegen dieses Gerät einzutauschen. Ich selbst nutze noch mein M1 Pro MacBook Pro und werde mir definitiv auch diesmal das Upgrade sparen.

Unsere Erwartungen waren nicht gerade hoch. Als wir letztes Jahr das M4-Modell auseinandergenommen haben, war der Austausch von Display und Anschlüssen einfach nur mühsam. Besonders genervt hat der fummelige Akkuwechsel, bei dem erst das Trackpad entfernt und dann Klebestreifen durch winzige Öffnungen im Gehäuse gezogen werden mussten – zugegeben, ziemlich clever, aber absolut nervig.

Die große (naja, mittlere?) Neuigkeit: Der Akku lässt sich jetzt einfacher entfernen – vorausgesetzt, man folgst nicht Apples offizieller Anleitung. Kein Trackpad-Ausbau mehr, keine versteckten Aussparungen im Rahmen. Versteh mich nicht falsch, dieses Refresh ist noch lange nicht reparaturfreundlich, aber immerhin sehen wir einen Lichtblick – zumindest einen winzigen Schritt in die richtige Richtung.

M5 MacBook Pro vollständig auf dem Tisch ausgebreitet

Bekanntes Gehäuse, ein paar smarte Änderungen

Das Öffnen des 14-Zoll MacBook Pro läuft wie gehabt: P5-Schrauben, eine eingeklipste untere Abdeckung und ein Gefühl von Déjà-vu. Aber eine wichtige Neuerung fällt auf, bevor man überhaupt zum Werkzeug greift. Apple veröffentlicht jetzt eigene Reparaturanleitungen ab dem Erscheinungstag. Laut Apples eigener Anleitung besteht der erste Schritt darin, das BMS-Kabel (Battery Management System) zu trennen – dadurch wird die Stromzufuhr sicher unterbrochen. Ein durchdachter Hinweis, der Kurzschlüsse verhindern kann, während man sich durch Schrauben und Flachbandkabel arbeitet, um den Akku physisch zu trennen. Wir haben das früher auch schon so gemacht, aber von Apple haben wir einen solchen expliziten Hinweis noch nie gesehen. Solche Hinweise sind wirklich hilfreich, vor allem, wenn man sich zum ersten Mal an einer Reparatur versucht.

Das ist ein kleiner, aber echter Fortschritt für Apples Reparatur-Design. Und ein sinnvoller Baustein in ihrem wachsenden Ersatzteil- und Werkzeugangebot. Trotzdem: Ein Blick ins Innere zeigt, dass Apple in Sachen Reparaturfreundlichkeit beim MacBook noch viel Nachholbedarf hat.

Wechseln eines M5 MacBook Pro Akkus auf die Apple Art
All das sollst du laut Apple ausbauen, um den Akku eines M5 MacBook Pro zu wechseln. Mühsam und teuer!

Akkuwechsel: Der offizielle Weg? Zeitraubend und teuer!

Der neue Sechs-Zellen-Akku mit 72,6 Wh ist das Herzstück unseres Teardowns. Auf dem Papier nur ein kleines Upgrade gegenüber dem 72,4-Wh-Akku des M4 – in der Praxis jedoch aufschlussreich.

Apples offizielles Austauschverfahren verlangt, dass man das komplette Topcase inklusive Tastatur tauscht – nur um diese eine Verschleißkomponente zu ersetzen. Und das ist schon länger so. Das ist ein massiver und völlig übertriebener Aufwand, der die komplette Demontage und den Wiederzusammenbau des gesamten Geräts erfordert. Wir reden von Schrauben, Abschirmungen, Logic Board, Display, Touch ID, Trackpad – einfach alles. Tatsächlich sind Tastatur und Lautsprecher die einzigen Teile, die nicht angetastet werden. Die Tastatur ist quasi fest mit dem Aluminiumdeckel verbunden, die Lautsprecher sind eingeklebt – was laut Apple wohl bedeutet, dass die Reparatur nicht selbst gemacht werden kann. Wir sehen das anders.

Ersatzteile fürs M5 sind noch nicht erschienen, aber im Self Service Repair Store werden für das M4 MacBook Pro weiterhin nur komplette Einheiten des “Gehäuseoberteils mit Batterie und Tastatur” verkauft, und zwar für fast 600 Euro. Wenn man auf die “Wichtige Information” klickt, steht dort: “Das Ersatzteil für das Gehäöuseoberteil umfasst eine Batterie. In Zukunft wird ein Batterieersatzteil erhältlich sein”.  – für rund 500 Euro. Ein „Wichtige Information“-Tooltip verrät: „Das Topcase-Ersatzteil enthält einen Akku. In Zukunft wird ein Akku-Ersatzteil verfügbar sein.“ Aber im Moment ist dieses mühsame und wahnsinnig teure Verfahren die einzige Option, die Apple für den Austausch eines kaputten Akkus anbietet. Ist das einfach ein Überbleibsel dieses fast ein halbes Jahrzehnt alten Gehäusedesigns, etwas, das sich erst beim nächsten großen Redesign ändert? Wir wissen es nicht.

Ausbau des M5 MacBook Pro auf die iFixit-Art
Die iFixit-Methode: Günstiger. Einfacher. Besser.

Die gute Nachricht? Zum ersten Mal muss man beim MacBook Pro das Trackpad nicht entfernen, um die Klebelaschen der mittleren Akkuzellen zu erreichen. Ein Fortschritt – genau wie beim iPhone 17 Air, bei dem Apple die Zugänglichkeit für häufig zu tauschende Komponenten verbessert hat. Diese Zuglaschen unter dem Akku sind zwar nach wie vor fummelig (und werden mit dem Alter noch schlimmer), aber wenigstens sind sie jetzt schnell erreichbar. Und ja, der Trackpad-Ausbau war kein Drama – aber alles, was Zeit spart, zählt.

Ein Blick auf die Unterschiede im Trackpad-Design zwischen M4 und M5 lohnt sich übrigens:

Da fragt man sich doch: Warum verkauft Apple den Akku nicht einfach einzeln? Wir haben gezeigt, dass es absolut möglich ist, ihn zu entfernen und zu ersetzen, ohne den Rest des Geräts auseinanderzunehmen. Mit etwas elektrisch lösbarem Kleber könnte ein Akkutausch richtig einfach werden. Apple hat bei den aktuellen MacBook Air-Modellen Akkus auf Schienen implementiert – selbst das wäre hier schon eine deutliche Verbesserung.

M5 MacBook Pro Batterie
Alle sechs Batteriezellen – ein weiterer Beleg für die Theorie der Carzinisierung.

Wir werden natürlich versuchen, so schnell wie möglich an einzelne Akkus für das MacBook Pro M5 heranzukommen, damit du den Quatsch mit dem „Gehäuseoberteil mit Batterie und Tastatur“ nicht mitmachen musst.

Brauchst du einen neuen MacBook Pro Akku?

Bei uns findest du dein Ersatzteil, einzeln oder im Set mit dem passenden Werkzeug.

Anschlüsse: Modular, aber tief vergraben

Weiter geht’s: Die Lautsprecher sind eingeklebt, geben aber mit etwas Isopropylalkohol und ruhiger Hand nach. Der Deckelwinkelsensor lässt sich leicht ausbauen, das Trackpad auch – wenn man die winzigen Abstandshalter an jeder Schraubensäule nicht vergisst.

Dann wird’s aufwändiger: Lüfter und Anschlüsse sind komplett modular, was super ist, allerdings sind einige unter dem Logic Board versteckt. Das bedeutet einen Marathon aus Schrauben entfernen, Kabel trennen und vorsichtigem Manövrieren teurer Teile, bevor man an die Anschlüsse herankommt. Bei einer Komponente wie dem Lüfter, der regelmäßig gereinigt oder ersetzt werden muss, ist das besonders ärgerlich. Warum Apple nicht wenigstens die Anschlüsse für den Lüfter oberhalb des Boards platziert, bleibt ein Rätsel. Ich empfehle hier dringend die FixMat oder ein ähnliches Organisationstool, sonst besteht ein hohes Risiko, dass man Schrauben verliert oder falsch zuordnet.

Wenn Apple diese Anschlüsse so designen kann, dass sie einzeln austauschbar sind (das ist wirklich Spitzenklasse), dann findet das Unternehmen doch sicher auch einen Weg, sie leichter zugänglich zu machen.

Schau dir das Design selbst in diesem CT-Scan an, mit freundlicher Genehmigung unseres Lumafield Neptune Scanners:.

Displaytausch: Drahtseilakt für deine Nerven

Den Bildschirm zu ersetzen ist eine ähnliche Geduldsprobe. Die Antennenhalterung, vollgepackt mit winzigen Pentalobe P2-Schrauben, muss raus, bevor die Scharnierhalterungen überhaupt erreichbar sind. Erst dann kann man die Scharnierschrauben entfernen und das Display abtrennen – ein unverzichtbarer Schritt, wenn man Apples offiziellem Verfahren folgt, um, du ahnst es schon, den Akku zu ersetzen.

Und zum Schluss wartet dann auch noch der Touch ID-Sensor. Er lässt sich zwar sauber herausschieben, muss aber beim Wiedereinbau neu kalibriert werden. Zum Glück übernimmt Apples neuer Reparaturassistent mittlerweile die meisten dieser Kalibrierungsarbeiten automatisch – eine große Verbesserung sowohl für Heimwerker als auch für Profis. Hinweis: Der Reparaturassistent konnte unser Touch ID-Modul nicht kalibrieren, aber wir testen es weiter. Andere Teile wurden normal kalibriert.

M5 MacBook Pro Logic Board
Schön ist es ja, dieses Logic Board – aber nicht gerade reparaturfreundlich

Unser Fazit

Das M5 MacBook Pro ist keine Revolution – aber eine vorsichtige, schrittweise Verfeinerung von Apples ohnehin solider Hardware. Wir feiern den besseren Zugang zu den Akku-Zuglaschen, die Verfügbarkeit von Reparaturanleitungen ab Tag 1 und die softwaregestützte Kalibrierung. Vom Grundsatz her bleiben jedoch zentrale Komponenten wie der Akku, Lüfter und Anschlüsse immer noch tief vergraben in einem Design, das nicht für Reparatur gemacht ist.

Alles in allem kommt das M5 MacBook Pro auf 4 von 10 Punkten auf unserem Reparierbarkeitsindex.

Apple bewegt sich in die richtige Richtung, aber langsam. Mit jedem neuen Modell sehen wir Hinweise auf ein reparaturfreundlicheres MacBook, das unter der Oberfläche schlummert. Im Moment liegt der Ball weiter bei Apple, und das schon ziemlich lange.

Wenn du wissen willst, wie Akku-Freiheit wirklich aussieht, schau dir unseren ROG Xbox Ally X Teardown an oder erinnere dich daran, wie weit Apple seit unserem ersten M1-MacBook-Pro-Teardown gekommen ist. Bis auf Weiteres gilt: Werkzeuge allzeit bereithalten!

Dieser Artikel wurde übersetzt von Sandra Hiller.