Die AirPods von Apple sind das perfekte Beispiel dafür, wie Apple gezielte technologische Abhängigkeiten schafft, um die Kundschaft an sich zu binden und die Konkurrenz konsequent auszusperren. Sie sind zudem das Paradebeispiel für Apples Abneigung gegen das Recht auf Reparatur: AirPods sind schlichtweg Wegwerf-Technologie – ein 250-Euro-Gadget, das ein paar Jahre hält, bevor man es entsorgen und ersetzen muss.
Apple hasst den DMA
Der Digital Markets Act (DMA) von 2022 ist ein EU-Gesetzespaket, das Tech-Giganten daran hindern soll, ihre Marktmacht zu missbrauchen, den Wettbewerb zu ersticken und Nutzerinnen und Nutzer in geschlossenen Systemen einzumauern.
Apple hasst den DMA so sehr, dass das Unternehmen eine larmoyante Pressemitteilung veröffentlichte, in der es versucht, die verbraucherfreundlichen Gesetze als unfair und innovationsfeindlich darzustellen. Im Kern laufen die Argumente immer auf dasselbe hinaus: „Nur uns könnt ihr vertrauen.“
Lost in Translation
Ein Beispiel: Apple hat die neue „Live-Übersetzung“ der AirPods in der EU verzögert. Diese Funktion erlaubt es Menschen, sich mit Sprechenden anderer Sprachen zu unterhalten – das iPhone hört zu, übersetzt und spricht für beide Parteien. Das ist magische Science-Fiction-Technik auf hohem Niveau. Apple betont dabei, dass die gesamte Konversation direkt auf dem Gerät verarbeitet wird, um den Datenschutz zu gewährleisten (die Alternative wäre, die Aufnahmen zur Übersetzung an die Server von Apple oder Drittanbietern zu schicken).
Warum also wurde diese Funktion den EU-Ländern vorenthalten? Laut Apple liegt es am DMA. Dieser zwinge Apple dazu, solche Funktionen auch anderen Entwicklungsteams zugänglich zu machen – und Apple traut schlichtweg keinem von ihnen. „Wir haben die Live-Übersetzung so entwickelt, dass die Gespräche unserer Nutzerinnen und Nutzer privat bleiben“, so Apple. „Unsere Teams leisten zusätzliche Entwicklungsarbeit, um sicherzustellen, dass die Daten nicht bei anderen Firmen oder in der App-Entwicklung landen.“
Das ist die Art von „Dienst nach Vorschrift“, die Apple perfektioniert hat: Man befolgt das Gesetz so pedantisch und unflexibel, dass die Kundschaft am Ende der Leidtragende ist. In diesem Fall dienen Datenschutzbedenken als Vorwand, um den Geist des Gesetzes zu unterlaufen und den Anwendenden neue Funktionen vorzuenthalten.

Angenommen wir würden zustimmen, dass Apple die einzige Firma ist, der man trauen kann (warum lässt Apple dann überhaupt Banking-Apps, medizinische Anwendungen oder Navigations-Software von Drittanbietern in den App Store?), dann erklärt das trotzdem noch nicht, warum man die Live-Übersetzung nicht mit anderen Kopfhörern nutzen kann. Am Ende ist es nur Audio, das durch Kopfhörer und Mikrofone fließt. Google hat gerade erst ein Update für Google Translate veröffentlicht, das Echtzeit-Übersetzung auf jedem beliebigen Kopfhörer ermöglicht.
Das führt uns zu einer weiteren künstlich blockierten AirPods-Funktion: dem Vorlesen von Nachrichten. Siri kann Nachrichten und Hinweise aus fast jeder App vorlesen – aber nur, wenn man AirPods oder die Apple-eigenen Beats-Kopfhörer mit dem H-Series-Chip nutzt. Warum? Das bleibt Apples Geheimnis. Diese Einschränkung gilt übrigens weltweit, nicht nur in der EU. Rein technisch gesehen könnte das Audio-Signal ganz einfach an jeden verbundenen Kopfhörer gesendet werden, über Kabel oder Bluetooth.
Reparatur: Ein schlechter Scherz
Die Geschichte der AirPods-Reparatur ist eigentlich gar keine Geschichte, sondern vielmehr ein schlechter Scherz. Sie sind für die Kundschaft schlichtweg nicht zu reparieren – und es gibt keinen besseren Beweis dafür, als dass Apple selbst überhaupt keine Reparaturmaterialien oder -dokumentationen bereitstellt.
Ein Gesetz des Senats von New York (S1320) verpflichtet Originalhersteller eigentlich dazu, Diagnose- und Reparaturinformationen für ihre Produkte bereitzustellen. Auf Apples Portal zur „Self-Service-Reparatur“ finden sich jedoch weder Ersatzteile, Reparaturanleitungen oder auch Schaltpläne für die AirPods. (Wohingegen die Informationen für iPhones, iPads, Mac Laptops, Mac Desktops, Apple Displays oder auch die Beats hier sehr wohl zu finden sind).

Auch die Dokumentationsseiten für die AirPods enthalten keine Bedienungsanleitungen, sondern nur eine Schnellstartanleitung, Informationen zur Einhaltung gesetzlicher Vorschriften und Informationen(AirPods 4, AirPods Pro 2, AirPods Pro 3).
Aber jetzt kommt der Clou: Anscheinend können die AirPods doch repariert werden, zumindest von Apple selbst. Auf der Serviceseite listet Apple einen „Batterieservice“ gegen Gebühr auf. Aber Moment, es folgt ein Plot-Twist, der eines M. Night Shyamalan würdig wäre: Apple tauscht die Batterien höchstwahrscheinlich gar nicht aus. Es ist davon auszugehen, dass man einfach ein komplett neues Austauschgerät erhält. Das bedeutet, dass die gesamte Elektronik und das Gehäuse der alten Kopfhörer direkt für den Schredder bestimmt sind.
Dabei müsste es nicht so sein. Die FairBuds von Fairphone sind genauso winzig wie die AirPods, erhielten aber von iFixit eine 10/10-Bewertung für die Reparierbarkeit, auch dank der leicht austauschbaren Akkus. Apple könnte das auch schaffen, wenn sie nur wollten.
Die AirPods sind die Produkte, die am stärksten von Apples proprietären Standards abhängen. Sie funktionieren nur mit Apple-Geräten vollumfänglich, und gleichzeitig sind sie so konstruiert, dass eine Reparatur unmöglich ist. Man kann nicht einmal den Akku selbst wechseln. Diese Praxis entspricht dem geltenden Recht zwar dem Buchstaben nach, zeigt aber dennoch mangelnden Respekt gegenüber Umwelt- und Verbraucherrechten.
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