Erinnerst du dich noch an den Anfang von Corona, als als plötzlich selbst eine einfache Webcam zum begehrten Luxusgut wurde? Willkommen zurück. Diesmal ist kein Virus schuld – stattdessen fressen riesige Rechenzentren die weltweite Chip- und Speicherproduktion praktisch im Alleingang auf.
Die Folgen spürst du gerade überall: RAM-Preise haben sich in wenigen Monaten verdreifacht, neue Hardware wie die Steam Machine lässt auf sich warten, und manche Hersteller stehen mit dem Rücken zur Wand. Es wird wahrscheinlich noch schlimmer werden, bevor es besser wird. Wie der deutsche Dichter Rilke es ausgedrückt haben könnte: „Wer jetzt keinen Spiele-PC hat, baut sich keinen mehr. / Wer jetzt ohne Arbeitsspeicher ist, wird es lange bleiben.“
Was also tun? Für uns bei iFixit ist die Antwort dieselbe wie immer: Ran an den Schraubenzieher. Corona hat der Reparaturbewegung einen Schub gegeben, der bis heute nachwirkt. Jetzt ist wieder so ein Moment.
Generalüberholt und gebraucht kaufen
Wir sagen es seit Jahren: Das beste Gerät ist das, das du schon hast. Je länger du mit deinem aktuellen Setup durchkommst, desto mehr Zeit bleibt dir, den Markt zu beobachten. Linux kann dabei helfen. Wenn du dir aber unbedingt etwas Neues anschaffen musst, kaufe „neu“ in Anführungszeichen. Gebrauchte und generalüberholte Geräte sind gerade doppelt interessant, weil ihre Komponenten noch vor der Engpass-Welle produziert wurden, und das sieht man am Preis.
Wenn du noch nie ein gebrauchtes oder generalüberholtes Gerät gekauft hast und dir nicht sicher bist, was du eigentlich bekommst, haben wir hier genau erklärt, was diese Begriffe bedeuten. Die Kurzfassung: Zertifiziert generalüberholt von Back Market, Apples eigenem Refurbished-Store oder direkt beim Hersteller ist in der Regel eine sichere Sache. „Vom Händler überholt“ auf eBay bedeutet: Kleingedrucktes lesen. „Gebraucht“ bedeutet genau das, und der Zustand kann sehr unterschiedlich sein.
Mindestens ebenso wichtig wie der Preis: Prüfe vor dem Kauf, wie reparierbar und aufrüstbar das Gerät ist. Bei Smartphones und Tablets gibt es vielleicht nicht viele Möglichkeiten für Upgrades, aber bei Laptops und Desktops sieht es anders aus. Ein Laptop mit 16 GB auf zwei SO-DIMM-Steckplätzen und einer NVMe-SSD (z. B. Lenovo ThinkPad T14 Gen 5) ist ein Gerät, das du auch später noch aufrüsten kannst, wenn sich das Angebot normalisiert. Das gilt zum Beispiel nicht für Geräte mit gelötetem Speicher. Diese Unterscheidung ist es wert, dass du dich vor dem Kauf zehn Minuten länger damit beschäftigst.

So findest du Ersatzteile trotz Engpass
Die meisten Strategien, die wir im Jahr 2020 gelernt haben, können wir uns auch jetzt wieder zunutze machen. Spendergeräte sind der Schlüssel: Ein Laptop, der bei eBay als „kaputt“ gelistet ist, könnte einen perfekt funktionierenden Arbeitsspeicher und Speicher enthalten. Wenn du eine bestimmte SO-DIMM-Konfiguration brauchst und sie nicht als Neuware findest, ist der Kauf eines defekten Geräts, aus dem du den Arbeitsspeicher ausbauen kannst, je nach den Angaben des Verkäufers zwar ein Risiko, aber auf dem aktuellen Markt ist es wahrscheinlich immer noch billiger, als die Module direkt zu kaufen. Das Risiko hängt davon ab, wie präzise der Verkäufer den Defekt beschreibt. Im Zweifel lohnt sich eine kurze Nachfrage.
Wer das zu unsicher findet: Preiswarnungen einrichten und dann abwarten. Über Dienste wie CamelCamelCamel für Amazon, den gespeicherten Suchen von eBay und Slickdeals erhälst du Benachrichtigungen bei neuen Angeboten und kannst entsprechend schneller zuschlagen.
Shuck It Like A Polaroid
Im Vergleich zu RAM haben die Preise für Speicher erst kürzlich angezogen. Trotzdem ist es gut, vorbereitet zu sein, falls du ein neues Gaming-Rig oder einen Heimserver planst.
Der Trick, der dein Projekt retten könnte, heißt Shucking. Das Prinzip ist denkbar simpel: Die meisten externen Festplatten sind nichts anderes als interne Laufwerke in einem USB-Gehäuse. Gehäuse aufbrechen, Laufwerk herausnehmen, wie eine normale interne Festplatte einbauen – fertig. Externe Laufwerke sind häufig günstiger als ihre nackten Pendants, weil sie auf dem Massenmarkt anders kalkuliert werden.

Drei Dinge solltest du beachten, bevor du das Gehäuse aufbrichst:
- Überprüfe die Schnittstelle: Die meisten externen 3,5-Zoll-Laufwerke verwenden Standard-SATA und funktionieren genau so, wie du es dir erhoffst. Kompakte externe SSDs können jedoch intern proprietäre Anschlüsse verwenden. Informiere dich immer über das jeweilige Modell, bevor du es kaufst.
- Achte auf das Problem mit den 3,3V-Pins: Einige Shucked-Laufwerke verhalten sich in Desktop-Systemen seltsam, weil ihre Gehäuse die SATA-Stromversorgung nicht richtig verarbeiten. Die Lösung ist ein Stück Isolierband über Pin 3 des SATA-Stromanschlusses – ja, wirklich.
- SMR vs. CMR : In den letzten zehn Jahren sind die Speicherhersteller mehr und mehr dazu übergegangen, Shingled Magnetic Recording oder kurz SMR zu verwenden. Die Community steht SMR sehr kritisch gegenüber und bevorzugt die konventionelle magnetische Aufzeichnung (CMR) als die zuverlässigere Option. NASCompares führt eine laufend gepflegte Liste der wichtigsten Laufwerke.
Durchatmen. Weiterschrauben.
Wir kennen das alles schon und selbst wenn es im Moment schlimm aussieht: Auch dieser Hardware-Engpass wird irgendwann enden. Der Ausbau der Rechenzentren wird sich irgendwann einpendeln, oder das Angebot wird nachziehen, oder beides. Schlussendlich werden die Preise wieder fallen. Aber das wird seine Zeit dauern, und die DIY-Mentalität kann dir diese Zeit verschaffen:
Unsere Reparaturanleitungen sind kostenlos, unser Ersatzteillager ist mit dem bestückt, was wir zu vernünftigen Preisen bekommen können, und in unserem Forum wimmelt es von Menschen, die genau diese Schrauber-Mentalität leben, die wir im Moment brauchen.

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