Ist Apples günstigstes Laptop aller Zeiten gleichzeitig eines seiner reparierbarsten? Jahrelang hieß es beim MacBook-Öffnen: Kampf gegen Kleber und tief im Inneren versteckte Bauteile.
Das Neo macht vieles anders: Direkt zum Verkaufsstart gibt es Reparaturanleitungen, der Tastaturwechsel ist weniger nervenaufreibend und der Akku sitzt in einem eingeschraubten Rahmen, was hier bei iFixit regelrechte Jubelstürme auslöste.
Allerdings gibt es auch Kompromisse. Einige Tester bemängeln, dass die Lautsprecher nicht das übliche MacBook-Niveau erreichen. Das Laptop setzt auf den A18 Pro – denselben Mobilchip, der zuerst im iPhone 16 Pro steckte – und ist damit auf 8 GB RAM limitiert. Beim Speicher stehen 256 oder 512 GB zur Wahl, und was man kauft, bleibt für immer.

Dass RAM und Speicher fest verlötet sind, war klar, bevor wir überhaupt aufgeschraubt haben. Aufgeschraubt haben wir natürlich trotzdem.
Los geht’s mit dem reparierbarsten MacBook seit den Zeiten, als Gangnam Style die Charts dominierte.
Ein flacher Demontagebaum: So lieben wir das.
Auf der Unterseite befinden sich immer noch acht Pentalobe-Schrauben. Nervt. Vielleicht wechselt Apple ja irgendwann komplett zu Torx Plus. Aber: Schrauben raus, und die Bodenabdeckung lässt sich von Hand abclipsen. Kein Heißluftföhn, kein Öffnungswerkzeug, kein Saugheber, kein behutsames Herumhebeln am Rand. Innen macht der Neo dann direkt einen starken ersten Eindruck.

Wenn wir die Reparierbarkeit bewerten, schauen wir uns vor allem den Demontagebaum an – also die Struktur, in der Komponenten übereinander liegen. Ideal ist ein möglichst flacher Aufbau, bei dem wenige Bauteile andere blockieren. Beim Neo waren wir direkt nach dem Abnehmen beeindruckt: Dieser Baum ähnelt eher einer Akazie als einem Regenbaum.


Der Akkustecker liegt frei und gut erreichbar, und die Anordnung ist für MacBook-Verhältnisse ungewöhnlich sinnvoll. Akku, Lautsprecher, USB-C-Anschlüsse und sogar das Trackpad sind leicht zugänglich, der Rest ist nur wenige Schrauben entfernt.
Keine Teilekopplung mit Apple Originalteilen
Noch eine gute Nachricht: Wir haben keine problematischen Teilekopplungen festgestellt.
Wer iFixit kennt, weiß, dass wir heftige Kritik an der Softwarebarriere namens Teilekopplung geübt haben. Kurz für alle Neuen: Viele Jahre lang haben Apple und andere Hersteller Bauteile gesperrt – winzige Mikrocontroller verknüpften sie mit einem bestimmten Gerät. Wurde ein Teil dann getauscht oder verschoben, schränkte das Gerät automatisch bestimmte Funktionen ein und zeigte abschreckende Warnmeldungen an, oft unter dem Vorwand einer herstellerexklusiven Kalibrierung. Nach einem iPhone-Akkutausch konnte man etwa den Akkuzustand nicht mehr einsehen und bekam Warnungen über „nicht autorisierte Teile“, die viele Leute vom Reparieren abgehalten haben.

Wir haben jahrelang dagegen gekämpft. 2024 wurde in Oregon ein Gesetz verabschiedet, das diese reparaturfeindlichen Beschränkungen endlich verbietet. Daraufhin führte Apple ein Assistenz-Tool zur Reparatur ein, mit der Reparaturbegeisterte und unabhängige Werkstätten Bauteile selbst kalibrieren können. Seit macOS Tahoe läuft das auch auf MacBooks. Fantastisch.
Normalerweise testen wir die Kopplung von Teilen, indem wir ein Logic Board von einem Gerät in ein anderes einbauen. Das löst typischerweise Warnmeldungen für alle gepaarten Bauteile aus – ähnlich, als würde man viele Teile auf einmal tauschen. In unserem Test hat der Reparaturassistent Ersatzteile ohne Beanstandung akzeptiert, konkret: Display und Akku.
Wir haben die Software sogar vor einige Herausforderungen gestellt: Meckert sie bei neuer Biometrie? Nein. Wir haben Touch-ID-Module zwischen zwei Neo-Geräten getauscht, die Kalibrierung lief problemlos. Sogar besser als vorher: Beim Display-Tausch leuchtete die grüne Webcam-Aktivierungsanzeige schon auf, bevor die Repair-Assistant-Kalibrierung überhaupt gestartet war.
Um das klarzustellen: Wir haben noch keine Tests mit Teilen von Drittanbietern durchgeführt, die gibt es auch noch gar nicht. Und das Problem mit der Aktivierungssperre hat Apple immer noch nicht gelöst: Wiederaufbereiter sitzen oft auf Bergen funktionierender MacBooks, die von den Besitzern nicht aus ihrem iCloud-Konto ausgetragen wurden. Es ist schade, dass so viel gute Hardware im Müll landet – und wir fordern Apple weiterhin auf, eine Lösung zu finden.
Das Problem der Teilekopplung mit OEM-Teilen scheint Apple jedoch gelöst zu haben. Gut, dass wir das los sind!

Ein eingeschraubter Akku im MacBook? OMG JA ENDLICH
Der Akku ist das große Thema. Ältere MacBook-Akkus waren meist eingeklebt, was eine normale Verschleißreparatur schwieriger, riskanter und teurer macht, als sie sein müsste.
Selbst unsere erfahrensten Teardown-Techniker haben es selten geschafft, alle 14 elastischen Klebestreifen intakt unter dem alten MacBook-Akku unversehrt herauszuziehen. Und je älter die Streifen, desto brüchiger. Reißt ein Streifen ab, muss Klebstoffentferner her, unter den Akku verteilt werden und dann heißt es Daumen drücken und vorsichtig hebeln. Vorsichtig, weil zu viel Druck bei einem geladenen Akku einen Kurzschluss und damit einen Brand verursachen kann. Sogar das letzte MacBook mit Akkurahmen, das M1 MacBook Air, das das Neo teilweise ablöst, hatte zusätzlich zu seinen Schrauben noch elastische Klebestreifen.

Der Akku des Neo hingegen sitzt auf einem Rahmen und lässt sich mit Schrauben entnehmen. 18 Stück, um genau zu sein. Das ist viel (und wahrscheinlich aus gutem Grund – mehr dazu später), aber Schrauben sind immer noch besser als Kleber. Rausdrehen, Akku rausheben, weitermachen.

Das klingt vielleicht nach einer Kleinigkeit. Ist es aber nicht. Der Akkutausch beim Neo fühlt sich so normal an wie schon lange nicht mehr beim MacBook. Der Akku selbst besteht aus zwei Zellen mit einer Gesamtkapazität von 36,48 Wh, und das Auswechseln fühlt sich nicht mehr an wie eine heikle Bergungsmission.
Es ist nicht schwer, darin Apples Vorbereitung auf die neue EU-Batterieverordnung zu sehen. Ab Mitte 2027 müssen tragbare Produkte, die in der EU verkauft werden, benutzerseitig austauschbare Akkus haben. Das Neo scheint Apples Testlauf für die Antwort zu sein: Schrauben statt Kleber.
Und die 18 Schrauben? Der Akkurahmen dient wahrscheinlich auch der Gehäusesteifigkeit: Er sitzt genau unter der Tastatur (einem Abschnitt der Oberschale, der wegen weniger Material von Natur aus weniger steif ist ) und hat eine durchgehende Versteifungsrippe. In Kombination mit den 18 Schrauben ergibt das ein hilfreiches Strukturelement. Hätten es vielleicht auch 16 getan? …aber wir wollen ja nicht gleich zu viel verlangen.
Noch etwas Ungewöhnliches ist uns beim Blick ins Innere aufgefallen. Apple listet jetzt alle verwendeten Schraubentypen auf: Torx Plus (IP, also „internal plus“) 8, 5, 3 und 1.

Soweit wir wissen, ist dies in keiner EU-Verordnung vorgeschrieben. Aber fürs Recycling ist das ein großer Vorteil. Recycler beginnen mit manueller Demontage und trennen dabei Kunststoff- und Metallkomponenten. Meistens arbeitet dabei eine ganze Reihe von Leuten mit Schraubendrehern. Eine Studie zur Motordemontage ergab, dass mehr als die Hälfte der Zeit (54 %) allein dafür draufgeht, die Schrauben zu lösen. Unser Technik-Team kann bestätigen, dass das so auch für Elektronikgeräte gilt. Rechnet man jetzt noch zusätzlich Zeit ein, die benötigt wird, um den richtigen Schraubentyp zu identifizieren, übersteigen die Recyclingkosten schnell den Wert der gewonnenen Materialien.
Für die Reparatur ist es schlicht praktisch. Man kann alle nötigen Bits und Aufsätze bereitlegen, bevor man anfängt. Amüsant übrigens: Torx Plus 6 kommt ebenfalls vor, allerdings an einer Stelle, die für die Demontage gar nicht nötig ist. Die Schrauben, die die Federplatten am Trackpad-Modul befestigen, sind IP6.

Keine Nieten, nur 41 Schrauben für einen Tastaturwechsel
Apropos viel Zeit mit Schrauben verbringen: Es freut uns zu sehen, dass die Tastatur nicht mit Nieten an der Oberschale befestigt oder mit dem Akku verklebt ist. Einfach ist ein Tastaturwechsel hier trotzdem nicht. Man muss Klebeband abziehen, Klebereste entfernen und 41 (ja, einundvierzig) Schrauben rausdrehen.
Diese Methode ist bei modernen Macs üblich, aber der Einstieg ist deutlich besser, weil man nicht zusätzlich mit einem eingeklebten Akku kämpfen muss, bevor man überhaupt anfangen kann. Immer noch mühsam, aber nicht mehr absurd.

Und Apple hat sich endlich offiziell zu der Idee bekannt, die Tastatur auszutauschen, ohne das gesamte Gehäuse zu ersetzen: Es gibt eine offizielle Reparaturanleitung für den Tastaturwechsel, und eine separate Anleitung für die Tastaturabschirmung lässt vermuten, dass Apple beide als eigenständige Produkte im Self Service Repair Store verkaufen will. Wir drücken wieder mal die Daumen.
Um es klar zu sagen: Diese Tastatur ist besser als die der alten MacBooks, aber sie hat noch viel Luft nach oben. Zum Vergleich: Lenovo hat gerade das ThinkPad T14 Gen 7 vorgestellt, mit nahezu werkzeuglosem Tastaturausbau, was ihm die Note 10/10 für die Reparierbarkeit eingebracht hat. Daran haben wir bei jeder… einzelnen… dieser 41 Schrauben gedacht. Und wo wir schon vergleichen: Der Akkutausch ist dort genauso einfach. Und es hat modularen Speicher. Und modulares RAM! Okay, egal. Wir schweifen ab.

Ein Stück vom Chromebook-Kuchen
Apple positioniert dieses Laptop ganz klar für den Bildungsmarkt. Entsprechend werden Neo-Tastaturen wohl einiges an Saft abbekommen (oder Wein, je nach Altersklasse des jeweiligen Bildungsmarkts).
Mit einem Preis von 499 US-Dollar für Schulen und 599 US-Dollar für alle anderen richtet sich das Neo an denselben breiten Markt, der derzeit von Chromebooks dominiert wird, die in 93 % der staatlichen Schulen in den USA eingesetzt werden. Schülerinnen und Schüler des Oakland Repair Internship Program reparieren jedes Jahr Tausende von Chromebooks, und ihr Feedback darüber, welche Geräte gut austauschbare Displays, Akkus und Tastaturen haben, fließt in die Beschaffungsentscheidungen ein. Auch die IT-Abteilungen der Schulen achten genau darauf, was repariert werden kann.
Indem Apple das Neo reparierbarer macht, kann es sich ein Stück vom Chromebook-Bildungskuchen sichern. Und selbst dort, wo es kein Chromebook verdrängt, ist es in der Klasse um 500 Euro jetzt trotzdem Spitzenreiter.
Modulare Anschlüsse und Bauteile
Das Neo verfügt über die gleichen modularen Elemente, die wir schon bei den letzten MacBook Designs gelobt haben. Die USB-C-Anschlüsse sind modular, so dass ein beschädigter Ladeanschluss nicht mehr dazu führt, dass man am Logic Board herumlöten oder es gar austauschen muss.

Auch die neu platzierte Kopfhörerbuchse ist modular, so wie es sein sollte. Wir haben übrigens erleichtert aufgeatmet, als wir die 3,5-mm-Buchse entdeckten. CNN berichtet, dass Kabelkopfhörer 2026 ein Comeback erleben – aber in unserem Büro waren sie nie weg. Klassisch Apple übrigens: Sowohl USB-C-Anschlüsse als auch Kopfhörerbuchse sind je nach Modell farblich abgestimmt.
Das Display lässt sich auch leichter abnehmen als bei den letzten MacBooks, weil die Antennenbaugruppe endlich ganz einfach ist. Sobald diese und die vier Scharnierschrauben entfernt sind, lässt sich das Display ohne die übliche MacBook-Fummelei abnehmen. Das ist eine wichtige Neuerung.
iPhone-Chip, fest verlötete Grenzen und ein mechanisches Trackpad
Sobald Abdeckungen und Flachbandkabel weg sind, lässt sich die Platine sauber herausnehmen. RAM und Speicher sind jedoch verlötet, wobei der Arbeitsspeicher direkt in das A18-Pro-Paket integriert ist. Für Apple bedeutet das Kosteneinsparungen, Skalierbarkeit, ein kompaktes Board und die damit verbundenen Performance-Vorteile. Für dich bedeutet das, dass du ein Gerät bekommst, das nicht mit deinen Bedürfnissen mitwachsen kann und im Falle eines Defekts auf der Platine seine Daten nicht so einfach hergibt.

Dieser Kompromiss ist nicht neu, wir haben ihn erst Anfang dieser Woche kritisiert. Das Neo bringt denselben Kompromiss einfach in ein günstiges MacBook. Speicher und RAM vom ersten Tag sind Speicher und RAM für die gesamte Lebensdauer des Geräts.

Das A18-Pro-Paket scheint mit dem im iPhone 16 Pro identisch zu sein, kleinere Architekturunterschiede sind jedoch nicht ausgeschlossen. Um das sicher zu sagen, müsste man einen echten iPhone-Chip einbauen und testen. In jedem Fall ist das Neo offensichtlich mehr „iPhone-Chip im Laptop“ als ein abgespecktes MacBook Air. Hält man das Neo-Board neben ein MacBook-Air-M3-Board, wird der Unterschied deutlich.

Und dann wäre da noch das Trackpad.

Das Neo verwendet ein mechanisches Trackpad und ist damit das erste MacBook seit 2015, das auf Force Touch verzichtet. Apple hatte ein Jahrzehnt lang das haptische Trackpad als die Lösung behandelt, daher ist dieser Schritt eine überraschende Kehrtwende.

Der Mechanismus ist einfach, aber trotzdem irgendwie magisch. Zwei Biegeelemente ermöglichen die Bewegung des Trackpads, eine zentrale Schraube stellt ein, wie viel Kraft nötig ist, um den Membranschalter darunter auszulösen. Einfacher zu verstehen als Force Touch, leichter zugänglich und mit ziemlicher Sicherheit billiger in der Herstellung.

Bei den Lautsprechern sieht es ähnlich aus. Sie lassen sich leicht herausnehmen, sind aber allen Berichten zufolge klanglich nicht auf dem Niveau teurerer MacBooks. Das seitlich abstrahlende Design spart Apple wahrscheinlich einiges an Bearbeitungsaufwand und Geld. Wer sich fragt, wo Apple ein paar Euro gespart hat, um in die Chromebook-Preisregion zu kommen – hier ist eine Antwort.

So leicht wie Luft?
Wir waren alle etwas verwundert, warum das billigere und weniger funktionsreiche Neo genauso viel wiegt wie das MacBook Air M3 – beide 13-Zoll-Laptops kommen auf rund 1,24 kg. Umso rätselhafter, wenn man bedenkt, dass das Neo angeblich ein leichteres Gehäuse verwendet und, äh, kleiner ist.
Was wir herausgefunden haben: Das Gehäuse des Neo ist tatsächlich kaum leichter als das des Air. Gehäuse, Tastatur und Bodenabdeckung zusammen wiegen gerade einmal 8 g weniger. Dafür ist das Display des Neo 48 g schwerer, und der massive Metallblock, der das Trackpad trägt, macht 7 % des Gesamtgewichts des Laptops aus! Die komplette Trackpad-Einheit des Neo ist fast doppelt so schwer wie die des MacBook Air M3.
Vielleicht ist das Air ja tatsächlich…luftiger.
Nicht perfekt, aber das erste MacBook seit Jahren, das Reparatur im Design berücksichtigt
Wo steht das Neo also?
Apples übliche Langzeit-Probleme sind geblieben. Verlöteter RAM und verlöteter Speicher schaden der Langlebigkeit, auch wenn Apples Speicherverwaltung hervorragend ist. Der Tastaturwechsel ist immer noch viel zu aufwendig. Die Pentalobe-Schrauben auf der Unterseite sind nach wie vor unnötig.
Aber die Teile, die zuerst ausfallen, sind so leicht zu erreichen wie schon lange nicht mehr bei einem MacBook. Der Akku ist eingeschraubt statt eingeklebt. Die Anschlüsse sind modular. Das Display lässt sich leichter tauschen. Die interne Anordnung ist ungewöhnlich sinnvoll. Apples Anleitungen sind direkt zum Verkaufsstart verfügbar. Die Software torpediert die Hardware nicht. Und es gibt es in coolen Farben.
Das reicht für eine 6 von 10 auf unserem Reparierbarkeits-Index. Für ein MacBook ist das eine starke Wertung. Und es macht das Neo zum reparierbarsten MacBook, das wir seit etwa 14 Jahren gesehen haben.

Für die Apple Laptop-Reparatur ist das ein echtes Comeback.

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