Hinweis: Samsung hat die Informationen zu den von uns verlinkten Ersatzteilen aktualisiert, nachdem wir den Teardown veröffentlicht hatten.
Es gibt zwei Arten von Privatsphäre beim Smartphone: Die eine hält Hacker davon ab, deine Nachrichten zu lesen. Die andere hält neugierige Sitznachbarn im Flugzeug auf Abstand. Samsungs Galaxy S26 Ultra kümmert sich tatsächlich um Letzteres. Mit einem integrierten Sichtschutz-Display, das seltsam, clever und deutlich interessanter ist als das übliche jährliche Allerlei an „hellerer Bildschirm, schnellerer Chip, nächstes Modell bitte“.
Das hat den Teardown sofort spannender gemacht. Gleichzeitig wurde es aus der Reparaturperspektive darum um so frustrierender: das S26 Ultra kombiniert wirklich durchdachte Designentscheidungen, etwa einen hervorragend austauschbaren Akku und einen modularen USB-C-Port, mit einem der übelsten Display-Reparaturpfade, die wir bisher bei einem Flaggschiff-Modell gesehen haben. Das Ergebnis ist ein Smartphone voller guter Ideen und ein paar ziemlich teurer Erinnerungen daran, dass Samsung Reparaturfreundlichkeit noch immer nicht wirklich verinnerlicht hat.
Das Display: größter Trumpf, größter Schwachpunkt
Das Privacy-Display ist ein 6,9-Zoll-AMOLED mit etwas, was Samsung „Flex Magic Pixels“ nennt. Magisch? Vielleicht nicht. Clevere Physik? Auf jeden Fall. Im Privacy Mode begrenzt das Display, ganz oder teilweise, den Winkel, in dem Licht austritt. Bei direkter Draufsicht bleibt der Inhalt gut lesbar, von der Seite deutlich schlechter. Schaltet man die Funktion aus, verhält sich der Rest des Displays ganz normal.

Im Gegensatz zu simpleren Lösungen – etwa Blickschutz-Folien mit ultradünnen Lamellen, die im Grunde wie Jalousien funktionieren – kann das Display des S26 Ultra auch nur unter bestimmten Bedingungen in den Tarnmodus wechseln. Du könntest zum Beispiel festlegen, dass Bank- und Gesundheits-Apps immer im Privacy Mode laufen, während du deinen Freund:innen trotzdem noch ein Meme zeigen kannst.
Ziemlich cool. Hardware-Innovationen sind dann am besten, wenn sie den Alltag tatsächlich ein kleines Stück besser machen. Aber so interessant das Display auch ist: Es gehört leider auch zu den anstrengendsten Komponenten, wenn es um Reparaturen geht.

Dazu kommen wir gleich. Erst mal zu dem, was Samsung tatsächlich richtig macht.
Galaxy kann Akkuwechsel immer noch ziemlich gut (+ ein paar andere Reparaturen)
Wer schon mal ein aktuelles Galaxy Ultra geöffnet hat, wird sich im Inneren schnell zurechtfinden. Das ist nicht als Kritik gemeint. Manche von Samsungs wiederkehrenden Entscheidungen sind einfach solide.
Dazu gehört weiterhin der Einstieg über die Rückseite. Man braucht Hitze und etwas Geduld, um sich mit einem Plektrum einmal um den Rand zu arbeiten, und in der Nähe des Kamerabereichs ist Vorsicht angesagt. Aber sobald sich das Rückglas löst, lässt sie sich sauber abnehmen.
Noch besser ist der Akku. Samsungs Kunststoff-Klebehülle gehört aktuell zu den angenehmsten klebebasierten Akku-Entnahmesystemen in einem Mainstream-Smartphone. Natürlich bevorzugen wir grundsätzlich reversible Methoden gegenüber Klebstoff. Aber wenn schon Kleber, dann bitte so.

Man zieht die Hülle an vier Seiten hoch und schon kommt der Akku heraus. Das ist deutlich angenehmer, als mit Lösungsmittel zu arbeiten, und simpler als Apples Kurzschluss-Lösung. So sollte es sich anfühlen, ein Verschleißteil auszubauen.
Auch der Ladeport spricht für Samsung. USB-C-Buchsen verschleißen. Sie sammeln Fussel, werden von schlechten Kabeln malträtiert und jahrelang aus dem Gerät gehebelt. Im S26 Ultra sitzt der Anschluss auf einer modularen Tochterplatine und lässt sich ohne unnötiges Drama ausbauen. Genau so sollte man ein Bauteil behandeln, das naturgemäß stark beansprucht wird und Samsung setzt dieses Design schon seit einiger Zeit ein. Auch hier hat Samsung aktuell die Nase vor Apple: Als wir neulich das iPhone 17e auseinandergenommen haben, waren wir ziemlich genervt davon, dass der Port noch immer tiefer im Gerät vergraben ist, als es nötig wäre.
Ein Blick auf den CT-Scan – mit freundlicher Unterstützung unseres geliebten Lumafield Neptune – zeigt diese modularen Bauteile ziemlich gut.
Es gibt noch weitere nette Details. Die Hauptkameras sind größtenteils einzeln modular aufgebaut. Das Mainboard lässt sich relativ sauber ausbauen. Samsung bleibt bei Phillips-Schrauben – langweilig auf die bestmögliche Art. Sogar Power- und Lautstärketasten verdienen ein kleines Extra-Lob. Sobald das Mainboard raus ist, gehören sie zu den am einfachsten auszubauenden Tasten überhaupt. Niemand kauft ein Flaggschiff wegen elegant konstruierter Tasten, klar, aber Tasten sind eben ebenfalls Verschleißteile, und ein defekter Knopf sollte nicht dazu führen, dass ein ganzes Gerät aussortiert wird.
Die Display-Reparatur bleibt ein Albtraum
Aber weißt du, was deutlich eher kaputtgeht als eine Taste? Die große Glasscheibe an der Vorderseite deines Smartphones, inklusive extra-besonderer Pixel.
Der Displaytausch beim S26 Ultra ist übel. Mit genug Hitze, Saugkraft, Geduld und der Bereitschaft, dass das Originalpanel den Ausbau womöglich nicht überlebt, kommt man irgendwie durch. Das ist eine ziemlich miserable Ausgangslage für eines der anfälligsten Bauteile des ganzen Geräts. In unserem Teardown wollten sich die Schichten des Displays voneinander lösen, bevor sich die gesamte Einheit überhaupt aus dem Rahmen bewegen wollte. Mehr Hitze brachte dann irgendwann Bewegung in die Sache, aber da war das Display längst gar.

Und trotzdem haben wir das schicke Privacy-Display geschrottet, als wir an die Selfie-Kamera kommen wollten.
Das ist bei jedem Smartphone ein schlechtes Ergebnis. Bei einem Gerät, dessen Display das eigentliche Highlight ist, ist es besonders mies.
Samsung hat sichtbar echte Entwicklungsarbeit in dieses Panel gesteckt. Aber der gesamte Reparaturweg ist absurd, vom Klebstoff bis zum Teilekauf. Samsungs bevorzugte Lösung scheint in kompletten Rahmen-Baugruppen zu bestehen, oft gleich mit angeklebtem Akku. Das treibt die Kosten hoch: BatteriesPlus veranschlagt derzeit schmerzhafte 399 Dollar für eine Display-Reparatur am S26 Ultra. Zum Vergleich: Refurbished S25-Geräte gibt’s bei Back Market aktuell für unter 420 Dollar. Wie viele Leute werden sich bei so einem Preis noch für die Reparatur entscheiden? Baugruppen mit Zusatzteilen, die eigentlich gar nicht mitgetauscht werden müssten, erzeugen außerdem unnötigen Abfall und machen Standardreparaturen teurer und nerviger, als es sein müsste.
So groß Samsungs Marktanteil auch ist: Der Vergleich mit Apple drängt sich hier einfach auf. Und genau an diesem Punkt beginnt Apple Samsung inzwischen bei der Reparaturfreundlichkeit zu überholen. Während Samsung so tut, als wäre Display-Reparatur kein Thema, arbeitet Apple weiter an Reparaturprozessen und internem Layout. Das iPhone Air hat sich besser geschlagen, als viele andere ultradünne Geräte es tun. Samsung wirkt hier eher festgefahren. Das S26 Ultra ist dem S25 Ultra sehr, sehr ähnlich und das auch an den Stellen, an denen wir uns endlich Verbesserungen gewünscht hatten.
Die Selfie-Kamera ist heikel
Die Selfie-Kamera ist das kleinere Problem, aber sie verdient trotzdem eine Erwähnung. Kameras gehen kaputt und sie können dauerhaft durch Kondenswasser beschlagen. Kleiner Profi-Tipp am Rande: Wenn dein brandneues 1300-Dollar-Smartphone zu heiß wird, pack es nicht in einen Eisbeutel. Auch nicht mit Handtuch dazwischen.
Im S26 Ultra sitzt die Selfie-Kamera jetzt leicht unter dem Mainboard, und rundherum hat Samsung es mit dem Epoxidharz wirklich übertrieben. Beim Erhitzen und Entfernen des Moduls können sich Linse und Sensor voneinander trennen und dann ist die Kamera sofort hinüber.
Die Ersatzteilsituation ist miserabel
Dann ist da noch die Ersatzteil-Situation. Und die bleibt ein einziges Durcheinander. Soweit wir das sehen können, sind für das S25 Ultra Display, Akku, Rückglas und Selfie-Kamera erhältlich und für das S26 werden Teile vermutlich ebenfalls in irgendeiner Form verfügbar sein. Dasselbe gilt für Reparaturhandbücher. Das Reparaturhandbuch fürs S25 fanden wir sogar ziemlich ordentlich.
Das passende Teil zu finden und sicher zu sein, dass man auch wirklich das Richtige gekauft hat, ist eine ganz andere Geschichte. Galaxy-Teile liefern hier nicht ab. Die Auflistungen sind unübersichtlich. Die Benennung ist inkonsistent. Es gibt keine brauchbare externe Kennung, mit der man die Kompatibilität zuverlässig prüfen könnte. Samsungs Einsatzlevel liegt hier gefühlt knapp über null.
Ein Beispiel: Im offiziellen Samsung-Parts-Shop findet sich ein Teil mit der Bezeichnung „Samsung Galaxy S25 Smart Phone Replacement Part – GH02 – 25580A“. Kein Bild. 6,95 Dollar. Ist halt ein Teil, was musst du sonst noch wissen? Die ziemlich offensichtlich KI-generierte Beschreibung behauptet, das Ganze eigne sich „für den Austausch des Displays, ein Akku-Upgrade oder jede andere Reparatur“. Ach so. Klar. Falls das stimmt, wäre es allerdings ein Schnäppchen.

Also gut, dann googeln wir eben die Teilenummer. Vielleicht lässt sich so herausfinden, was das Ding eigentlich ist. Andere Websites sind sich aber auch nicht einig: Eine nennt GH02-25580A „Bracket Tape“. Eine andere spricht von „Bottom Microphone Mesh“. Wieder eine andere macht daraus „Tape Sponge Mesh“. Was immer es auch genau sein mag: Als „perfekte Lösung“ für ein Akku-Upgrade wirkt GH02-25580A eher nicht.
Der ganze Prozess ist für ein Flaggschiff-Modell von einem der größten Smartphone-Hersteller der Welt unnötig kompliziert.
Und genau diese Lücke zwischen „Das Handbuch existiert“ und „Das Reparaturprogramm funktioniert“ ist entscheidend. Ein Reparatur-Ökosystem ist immer nur so gut wie sein schwächstes Glied. Ein nettes PDF bringt wenig, wenn sich das richtige Ersatzteil anfühlt wie eine digitale Schnitzeljagd.

Weißt du, wer Galaxy-Teile präzise benennt?
Ja, genau. Diese Website.
Ein cleverer Trick, eine miese Reparatur und eine sehr Samsung-typische Wertung
Das Galaxy S26 Ultra ist ein Smartphone, das sich leicht bewundern lässt. Die Display-Funktion ist smart. Das Akku-Design ist hervorragend. Die modulare USB-C-Platine ist genau die Art von Entscheidung, von der wir gern mehr sehen würden. Teile dieses Geräts zeigen, dass Samsung sehr wohl versteht, wie reparaturfreundliche Hardware aussieht. Das Unternehmen bleibt nur immer wieder kurz vor echter Konsequenz stehen.
Das S26 Ultra bekommt deshalb eine vorläufige Reparierbarkeitswertung von 5 von 10 Punkten, genau wie das Modell vom letzten Jahr.

Es ist enttäuschend, bei Samsungs Reparaturansatz genau dieselben Probleme wiederzusehen, die uns 2024 dazu bewegt haben, die Zusammenarbeit zu beenden. Aber nur, um das klarzustellen: Wir hegen keinen Groll. Wir würden uns sehr darüber freuen, wenn Samsung bei Reparaturen endlich besser würde. Und man muss Ersatzteile nicht über uns verkaufen, um eine gute Reparierbarkeitswertung zu bekommen. Dieses Smartphone hat sich seine magere Note ganz allein verdient.
Ein vorbildlich ausbaubarer Akku und ein gut erreichbarer Ladeport gleichen eine brutale Display-Reparatur nicht aus. Ein solides Handbuch macht keine miserable Teileversorgung wett. Genau diese Widersprüche definieren das S26 Ultra. Es ist ein beeindruckendes Flaggschiff mit einigen wirklich durchdachten Reparaturentscheidungen – kombiniert mit einer Handvoll Designentscheidungen, die gängige Reparaturen noch immer unnötig schwerer, riskanter und teurer machen, als sie sein müssten.
Wenn Samsung wirklich will, dass Menschen ihre Smartphones länger nutzen, liegt der Weg auf der Hand: Macht die offensichtlichen Reparaturen zu etwas Alltäglichem. Macht Ersatzteile leicht identifizierbar und leicht kaufbar. Und hört auf, einen Displaytausch wie eine Strafe zu behandeln.
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