Wir bewerten jetzt auch kabellose Kopfhörer – Fairbuds XL holen gleich 10/10
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Wir bewerten jetzt auch kabellose Kopfhörer – Fairbuds XL holen gleich 10/10

Earbuds dominieren die Diskussion rund um kabellose Audio-Reparaturen – vor allem weil sie als reine Wegwerfartikel regelmäßig 0 von 10 Punkten von uns bekommen. Aber auch Over-Ear- und On-Ear-Kopfhörer haben sich still und leise ihre eigene Sammlung an Reparatursünden aufgebaut: eingeklebte Akkus, verlötete Ladebuchsen, fest integrierte Kopfbandpolster und Support-Antworten nach dem Motto „kauf dir halt neue“, wenn die Polster nach einem Jahr durch sind.Heute – nach monatelangen Teardowns, vollgeschriebenen Whiteboards, Reparierbarkeits-Diskussionen und Feinschliff am Bewertungsschema – freuen wir uns, kabellose Kopfhörer in unsere wachsende Liste bewertbarer Hardware-Kategorien aufzunehmen. Damit reihen sie sich neben Smartphones, Tablets, Laptops, kabellosen Earbuds, E-Readern, Smartwatches, Mini-PCs und Handheld-Konsolen ein. 14 beliebte Kopfhörer haben unser neues Bewertungsschema bereits durchlaufen. Die Ergebnisse erzählen eine ziemlich spannende Geschichte.

So bereiten wir eine Gerätekategorie für die formale Bewertung vor

Eine neue Kategorie in unseren Reparierbarkeits-Index aufzunehmen ist kein Selbstläufer. Monatelang haben wir überlegt, welche Reparaturen bei kabellosen Over-Ear-Kopfhörern am wichtigsten sind, wie stark sie gewichtet werden und wie wir mit Grenzfällen umgehen, die erst auftauchen, wenn man Geräte wirklich zerlegt.

Kopfhörer sind etwas ganz anderes als ihre winzigen In-Ear-Geschwister. Einfach die Hausaufgaben abschreiben geht nicht. Die Prioritäten verschieben sich: Ohrpolster und Kopfbandpolster sind mit Abstand die am häufigsten getauschten Teile. Für eine hohe Punktzahl müssen sie sich deshalb schnell und möglichst ohne Werkzeug wechseln lassen. Danach kommen Akkus – ebenfalls Verschleißteile, nur in anderer Form. Es folgt die Ladebuchse, auch sie ein klassischer Schwachpunkt. Und schließlich die eigentlichen Lautsprecher im Inneren, ohne die der ganze Kopfhörer nur ein dekorativer Ohrwärmer wäre.

Dokumentation und verfügbare Ersatzteile bleiben genauso wichtig wie in jeder anderen Kategorie, nämlich entscheidend. Denn was bringt es, wenn ein Gerät theoretisch reparierbar ist, aber weder Ersatzteil noch Anleitung verfügbar sind?

Aus diesem Grund gehen wir bei der Entwicklung eines neuen Bewertungsmaßstabes folgendermaßen vor: Wir entwerfen eine Rubrik für die Prioritäten, lassen einen repräsentativen Querschnitt von Geräten durchlaufen und analysieren dann, wie gut die resultierenden Bewertungen mit unserem Bauchgefühl übereinstimmen, nachdem wir mit jedem Gerät praktische Erfahrungen gesammelt haben. Nach der Feinabstimmung der Rubrik führen wir die Bewertungen erneut durch und analysieren alles noch einmal, bis unser Maßstab das tatsächliche Reparaturerlebnis so genau wie möglich abbildet.

Heute sind wir stolz darauf, die Ergebnisse veröffentlichen zu können. Die neue Rubrik baut auf dem Bewertungsschema auf, das wir für alle anderen Gerätekategorien verwenden, und ist auf die besonderen Reparaturbedingungen von Kopfhörern abgestimmt. Die vierzehn Kopfhörer in dieser ersten Serie haben wir für den Stresstest der Rubrik verwendet, und sie sind die ersten mit einer offiziellen Bewertung.

Wie immer gibt es Gewinner und Verlierer. Einklipsbare Polster, ein Akku mit Standardanschluss, eine veröffentlichte Anleitung – wer das bietet, ist auf dem besten Weg zu einer guten Punktzahl. Klingt nicht kompliziert. Trotzdem sind viele der getesteten Kopfhörer nicht einmal bis dahin gekommen. Nur ein einziges Paar hat so ziemlich alles richtig gemacht.

Die Spitzenreiter

Die Fairphone Fairbuds XL erreichen als einzige Kopfhörer aus unserer Startgruppe 10 von 10 Punkten. Werkzeugfreier Akkutausch, ein vollständig modulares Kopfband (Polster, Trägerstruktur und Verbindungskabel lassen sich jeweils einzeln tauschen), USB-C-Anschlüsse für echte Modularität und Fairphones gewohnt klare Linie bei nützlicher Dokumentation und verfügbaren Ersatzteilen: Damit landen diese Kopfhörer ganz oben auf unserer Empfehlungsliste.

Explosionsdarstellung der Fairphone Fairbuds XL
Die Fairbuds XL bringen fast alles mit, was auf unserer Wunschliste steht. Fairphone hat sogar selbst ein Teardown-Bild erstellt. Sehr schick.

Die Abstriche sind klein: Die Ladebuchse sitzt hinter einer Wetterschutzdichtung, die sich nach einer Reparatur womöglich nicht ganz leicht wiederherstellen lässt. Und die Lautsprechereinheiten gibt es nur als komplette Ohrmuschelmodule statt als einzelne Bauteile. Ein bisschen Luft nach oben bleibt also. Aber nichts davon rechtfertigt einen ganzen Punkt Abzug. Auf jedem vernünftigen Reparierbarkeits-Index sind diese Kopfhörer der Konkurrenz haushoch überlegen.

Die Sony WH-1000XM6 kommen auf respektable 6 von 10, eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Rest der WH-1000-Reihe. Sony hat die Ladebuchse auf eine eigene kleine modulare Tochterplatine ausgelagert, den Akku in einem verschraubten Schutzgehäuse untergebracht statt ihn in Kleber zu begraben, und die Lautsprechereinheiten sowie das Kopfband sind einzeln austauschbar. Mit erstklassigem Active Noise Cancelling (ANC) und praktisch keinem Kleber, der typische Reparaturen unnötig erschwert, ist die Hardware wirklich gut. Der Haken: keine Anleitungen, keine Ersatzteile und ein fummeliger Steckverbinder, der den Zusammenbau schnell zum Geduldsspiel macht. Mit einem besseren Reparatur-Ökosystem könnte Sony hier locker 8 von 10 Punkten erreichen – und wir würden diese ansonsten sehr reparaturfreundlichen Kopfhörer ohne Zögern auch unseren Freunden und Verwandten empfehlen.

Die Bang & Olufsen Beoplay HX landen ebenfalls bei 6 von 10. Punkte bringen die eleganten Ohrpolster und das eingeklipste Kopfbandpolster, dessen Austausch B&O sogar in einem Video erklärt. Versiegelte Lautsprechereinheiten und eine verlötete USB-C-Buchse drücken die Wertung dagegen nach unten. Auch hier gilt: Mehr Ersatzteile und bessere Reparaturanleitungen würden für ein deutlich entschiedeneres “Daumen hoch” sorgen.

Das Mittelfeld

Der Marshall Monitor III (5/10) und die Sennheiser Momentum 4 (5/10) punkten bei Polstern und Akkus, verlieren dann aber Punkte durch verlötete Ladebuchsen und fest verlötete Lautsprecherkabel. Marshall verdient Anerkennung dafür, zumindest etwas Reparaturhilfe anzubieten und bei den Lautsprechereinheiten Steckverbinder statt verlöteter Kabel zu verwenden. Der JBL Tune 770NC (5 von 10) bekommt derweil Sonderapplaus für Lautsprechereinheiten mit Federkontakten in einem Produkt unter 100 Euro. Mehr davon, bitte.

Die Apple AirPods Max und die neuen AirPods Max 2 erhalten beide die Note 4/10, und zwar fast ausschließlich wegen der wirklich klassenbesten magnetischen Ohrpolster und der mit einem SIM-Werkzeug abnehmbaren Netzhaube. Im Inneren bietet sich ein gemischtes Bild: Kleber erschwert den Zugang, aber die Lautsprechereinheiten nutzen reparaturfreundliche Federkontakte. Proprietäre Schrauben nerven, aber die Ladebuchse ist modular. Der Akku ist tief vergraben, aber immerhin verschraubt… so könnten wir noch eine Weile weitermachen. Nicht gerade hilfreich ist außerdem, dass Apple für dieses fast sechs Jahre alte Design bisher immer noch nur einen Ersatz für die Ohrpolster anbietet.

AirPods Max starten stark, werden innen aber schnell unerquicklich.

Eine Anmerkung zu den ursprünglichen AirPods Max: Früher haben wir ihnen mit einem deutlich weniger ausgefeilten Bewertungsschema 6 von 10 Punkten gegeben. Mit der heutigen Aktualisierung sinken sie auf datengestützte 4 von 10 – genau wie die neuen Max 2. Die Hardware ist dieselbe, aber unser neues Bewertungsschema ist umfassender und weniger nachsichtig bei Apples Versäumnissen: keine Ersatzteile außer Ohrpolstern, keine Servicedokumentation und ein Akku, an den sich kaum jemand wirklich herantrauen dürfte. Bewertungen nachträglich zu ändern, kann verwirrend sein. Deshalb machen wir das nicht leichtfertig. Aber wir wollen eine Zahl liefern, die die heutige Realität abbildet. Apple hatte sechs Jahre Zeit, die Lage zu verbessern – und hat zugesehen, während die Konkurrenz vorbeigezogen ist.

Die Sony WH-CH720N (4 von 10) und JBL Tune 520BT (4 von 10) runden diese Kategorie ab: leicht zugängliche Ohrpolster und Akkus, aber sonst fast alles verlötet. Auch bei Reparaturanleitungen und Ersatzteilen haben Sony und JBL noch Hausaufgaben.

Trostpreise

Der Beats Solo 4, der Beats Studio Pro, der Anker Soundcore Q20i und der Skullcandy Crusher ANC 2 erreichen alle die Note 2/10. Das Muster ist deprimierend einheitlich: verklebte oder verlötete Akkus, verlötete Ladeanschlüsse, Heißkleber über allem, was nicht ohnehin verlötet ist, Kopfbandpolster, die nur durch Zerstörung entfernt werden können, und keinerlei Reparaturdokumentation.

Aufgeklebte Ohrpolster? Da weint selbst der Spudger

Apple hat mit der Marke Beats Kopfhörer entwickelt, deren Reparierbarkeit enttäuschend ähnlich ist wie die der originalen AirPods, die nicht repariert werden können. Anker und Skullcandy scheinen die Beats-Formel zu kopieren: Sie verlangen Premium-Preise für Kopfhörer, die eher im Mülleimer als auf der Reparaturbank landen.

Nach dem Albtraum, den wir mit den Earbuds in puncto Reparierbarkeit erlebt haben, sind wir trotzdem froh, dass hier dann auch Schluss ist. Eine 0 von 10 ist grundsätzlich möglich – glücklicherweise haben wir bei den kabellosen Kopfhörern aber noch immer mindestens eine kleine positive Eigenschaft gefunden, die das verhindern konnte. Ob zugänglicher Akku oder abnehmbare Ohrpolster: 2 von 10 ist der aktuelle Tiefstwert. An alle Produktdesigner, die das hier lesen – bitte nicht verschlimmbessern!

Und was ist mit aktiver Geräuschunterdrückung?

Active Noise Cancelling stellt reparierbares Kopfhörerdesign vor eine besondere Herausforderung. Die ANC-Mikrofone werden oft erst nach dem endgültigen Zusammenbau im Werk auf die Akustik der jeweiligen Ohrkapsel kalibriert. Wer das Gerät für eine Reparatur öffnet, riskiert die ANC-Leistung zu beeinträchtigen.

Das heißt: Selbst bei einigen der besser bewerteten Modelle in dieser Gruppe kann nach bestimmten Reparaturen die volle ANC-Leistung verloren gehen. Ein wirklich reparaturfreundliches Design würde die Dichtungen so platzieren, dass sie außerhalb der häufigsten Reparaturpfade liegen. Dann bleibt bei einer Routine-Reparatur wie einem Akkutausch die werksseitige ANC-Kalibrierung intakt (so wie bei den Fairbuds XL). Wir würden uns wünschen, dass sich mehr Hersteller dieser Herausforderung stellen würden.

Was sonst noch zu Wünschen übrig bleibt

Zwei Probleme sind bei den meisten getesteten Modellen immer wieder aufgetaucht. Erstens: USB-C-Buchsen kabelloser Kopfhörer sitzen fast immer direkt auf der Hauptplatine. Das ist aus Kosten- und Komplexitätsgründen zwar nachvollziehbar, aber trotzdem ein massiver Schwachpunkt. Solange kabellose Kopfhörer nicht kabellos laden, wird diese Buchse ständig beansprucht. Sie sollte deshalb nicht an einer teuren Hauptplatine hängen, die sich nur mit einer kompletten Demontage ausbauen lässt. Die Lösung wäre eigentlich simpel: eine Buchse auf einer kleineren, günstigeren und besser erreichbaren Platine, wie beim Sony XM6.

Zweitens veröffentlichen Hersteller über die gesamte Kategorie hinweg viel zu wenig Reparaturinformationen und verkaufen zu wenige Ersatzteile für Kopfhörer. Selbst Geräte mit wirklich guter Hardware (Sony, ihr seid gemeint) lassen Reparierende hier komplett allein. Marshall und Fairphone sind die einzigen in dieser Gruppe, die nennenswerte Reparaturhilfe bieten.

Beide Probleme sind lösbar. Modulare Ladebuchsen kosten kaum mehr, wenn man sie früh genug einplant. Und an alle Hersteller, die nicht wissen, wie sie Anleitungen und Ersatzteile verfügbar machen sollen: Meldet euch bei uns! Reparierbarere Kopfhörer bedeuten einfachere Reparaturen, weniger Elektroschrott, neue Einnahmequellen, mehr Möglichkeiten zur Personalisierung – und am Ende bessere Produkte für alle.

Wir werden diese Bewertungsliste laufend ergänzen. Wenn du Kopfhörer hast, die wir bewerten sollen: Sag Bescheid! Und wenn du gerade neue Kopfhörer suchst, weißt du jetzt, wo du anfangen kannst: Die Fairbuds XL setzen den Maßstab. Alle anderen haben noch Hausaufgaben.