Falls ihr es verpasst habt: Es gibt jetzt ein Trump-Handy. Ja, wirklich. Und diese Woche durften wir es auseinandernehmen.
Vor ein paar Wochen konnte ich dank NBC News in einem kurzen Zoom-Call zum ersten Mal einen Blick auf das Trump Mobile T1 werfen. Mein erster Eindruck: Das Trump Mobile T1 sieht haargenau so aus wie das HTC U24 Pro aus dem Jahr 2024.
Aber ohne Zugriff auf die Hardware ließ sich unmöglich sagen, ob das T1 eine 1:1-Kopie des U24 Pro ist oder ob sich im Inneren tiefgreifendere Unterschiede verbergen. Angesichts des massiven Marketings rund um die „amerikanische Herkunft“ des Geräts konnte ich zudem nicht sagen, was es überhaupt bedeutet, wenn ein Telefon mit „amerikanischen Werten“ hergestellt wird. Um das herauszufinden, muss ich es schon aufschrauben. Das heißt: das NBC-Team in unser Büro nach San Luis Obispo holen und das T1 auf unseren Demontagetisch legen.
CT-Scan: Was das T1 schon vor dem Aufschrauben verrät
Zuallererst habe ich das Handy durch unseren Lumafield-CT-Scanner laufen lassen. Schon auf den ersten Röntgenbildern war die Antwort eindeutig: Das Innenleben deckt sich fast exakt mit dem HTC U24 Pro. Schau selbst:
Bei unserem Zoom-Call vor ein paar Wochen war uns aufgefallen, dass Kameraobjektiv und Blitz anscheinend leicht unterschiedlich positioniert sind. Ich wusste also: Ich muss ins Innere vordringen, um herauszufinden, wie groß dieser Unterschied wirklich ist.
Falls du dich mit Android-Smartphones nicht auskennst: Der Zugang erfolgt normalerweise über die Rückseite. Da wir das HTC U24 Pro vorher bereits zerlegt hatten, gingen wir zu diesem Zeitpunkt stark davon aus, dass das Verfahren beim T1 dasselbe sein würde.
Und tatsächlich: Sobald die Rückseite ab war, lag die Antwort vor mir. Die Federkontakte des Blitzes hatten sich überhaupt nicht bewegt. Stattdessen wurde nur das Flexkabel verlängert – am Ende nichts weiter als eine rein kosmetische Änderung.

Es gibt noch eine zweite kleine kosmetische Änderung: das Lautsprechergitter. Das Aluminiumgehäuse ist fast identisch, aber die Löcher sind in einem leicht veränderten Muster ausgefräst.
Der CT-Scan und unsere Demontage zeigen deutlich, dass dieser Unterschied nicht wesentlich ist. Die Lautsprecher sind dieselben. Ihre Position ist dieselbe. Alles ist identisch – bis auf das Lochmuster im Gehäuse.

Ich vermute stark, dass das Trump-Mobile-Team ein Smartphone wollte, das einzigartig aussieht, aber aufgrund des selbst auferlegten, engen Zeitplans mussten größere Designänderungen offenbar ausbleiben. Also blieb man bei dem, was machbar war: eine kleine Modifikation der Rückseite und ein neu positionierter Blitz.
Falls du dich fragst: Der 6,8-Zoll-Bildschirm des U24 Pro scheint absolut identisch mit dem 6,78-Zoll-Bildschirm des T1 zu sein. Warum die Displays mit leicht unterschiedlichen Größen angegeben werden, ist mir nicht klar. Möglicherweise gibt es minimale Abweichungen, die ich nicht messen konnte.
Was ich mit Sicherheit sagen kann, ist, dass beide Bildschirme ein PenTile-Display mit Samsungs patentierter „Diamond Pixel “-Anordnung verwenden. Ein direkter Vergleich der beiden Displays unter dem DSX2000 von Evident Microscopy zeigt deutlich, dass die beiden Bildschirme sowohl hinsichtlich der Pixeldichte als auch des Layouts perfekt übereinstimmen.
Spurensuche auf dem Mainboard
Wenn man sich das Handy genauer ansieht, fällt noch mehr auf: dieselben Bauteilformen, dieselbe Anordnung der Bauteile, dieselben Schraubenpositionen und sogar dieselben Positionen der Manipulationsschutz-Aufkleber. Weißt du, was wahrscheinlich ebenfalls identisch ist? Die Fabriken, in denen diese Teile hergestellt wurden.
Der wichtigste Hinweis: das Mainboard selbst.

Ich würde wetten, dass hier bis ins kleinste Detail dieselbe Platine steckt wie im HTC U24 Pro – inklusive Qualcomms SM7550 System-on-Chip (SoC), besser bekannt als Snapdragon 7 Gen 3. Der SoC ist derselbe, das Multichip-Paket mit 12 GB LPDDR5 und 512 GB Speicher stammt beim T1 allerdings von Micron. Unser HTC U24 Pro verwendet dagegen ein Paket von SK Hynix.
Das ist ein vergleichsweise kleiner Unterschied. Solche Änderungen können viele harmlose Gründe haben: Engpässe in der Lieferkette, Zollfragen oder schlicht andere Verfügbarkeiten bei bestimmten Komponenten.
Wenn beide Geräte dieselbe Platine verwenden, sollten wir sie auch zwischen den Gehäusen tauschen können. Und tatsächlich: Hier läuft die HTC-Platine im goldenen Gehäuse ihres Verwandten.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass integrierte Schaltkreise zwischen verschiedenen Produktionsläufen von unterschiedlichen Lieferanten stammen. Deshalb kann ich mit ziemlicher Sicherheit sagen: Das Trump Mobile T1 ist im Grunde dasselbe Handy wie das HTC U24 Pro – mit einem entscheidenden Unterschied: dem Akku.
Der Akku macht den Unterschied
Nach all den Übereinstimmungen ist der Akku die erste echte Überraschung. Er ist mit 19,35 Wh angegeben, vermutlich handelt es sich dabei um die gesetzlich vorgeschriebene Nennkapazität. Zum Vergleich: Beim HTC U24 Pro sind es 17,23 Wh. Die Abmessungen der beiden Akkus sind trotzdem nahezu identisch.
Die Akkuzelle des T1 stammt von Newlix Mfg Inc., einem Unternehmen auf den Philippinen. Eine Website scheint Newlix nicht zu haben, aber wir wissen, dass die Firma 2025 im philippinischen Handelsregister eingetragen wurde. Das passt ungefähr zu dem Zeitpunkt, zu dem das T1 angekündigt wurde.

Noch ein Unterschied: Der T1-Akku ist auf 30 W Ladeleistung begrenzt, während das U24 Pro 60 W unterstützt. Das zeigt sich auch beim Zubehör. Dem T1 liegt ein 30-W-Ladegerät bei, dem U24 Pro dagegen ein 60-W-Ladegerät.
Was „Made in USA“ hier wirklich bedeutet
Was ist denn nun das Besondere an Akkus aus den Philippinen? Nun, die allermeisten Akkus für Unterhaltungselektronik werden in China hergestellt. Dafür gibt es mehrere Gründe, aber im Wesentlichen liegt es an Chinas Dominanz bei den Rohstoffen für Batterien und an Chinas enormen Produktionskapazitäten. Und am Preis.
Wenn also eine Akkuzelle auf den Philippinen hergestellt wurde, deutet das darauf hin, dass das T1 wohl kaum in großen Stückzahlen verkauft wird. Das würde auch zu einem kürzlich bekannt gewordenen Datenleck passen, aus dem hervorging, dass sich der Gesamtabsatz von Trump Mobile an Handys und Tarifen auf etwa 30.000 belief – weit weniger als die zuvor behaupteten 600.000 Smartphone-Vorbestellungen.
Das gibt auch einen Hinweis darauf, welche Teile möglicherweise in den Vereinigten Staaten montiert werden könnten. Berichten zufolge soll das Smartphone von einem Team in Florida aus etwa zehn Komponenten zusammengesetzt werden. Dieser Akku könnte eine dieser Komponenten sein, zusammen mit den Kameramodulen, den Lautsprechern, dem USB-C-Modul, der Haptik-Engine und dem Mainboard. Falls das stimmt, würde ich wetten, dass Gehäuse und Display als vormontierte Einheit importiert werden. Gebogene Glasdisplays sauber einzubauen, ist nämlich gar nicht so einfach.

Aber eines muss klar sein: Das bedeutet noch lange nicht, dass das T1 in den USA hergestellt wird. Die Federal Trade Commission (FTC) hat ziemlich klare Vorgaben dafür, wann ein Produkt als „Made in USA“ beworben werden darf. Weniger eindeutig ist dagegen, welche Anforderungen erfüllt sein müssen, damit ein Gerät als „Assembled in USA“ – also in den USA montiert – gelten kann.
Auch bezüglich der Frage, ob die Kennzeichnung „Assembled in the USA“ für das T1 gilt, könnte man sich streiten, aber viel wichtiger für viele ist doch, warum ein Smartphone nicht komplett in den USA hergestellt werden kann. Wiederum spielen mehrere Faktoren eine Rolle, die wichtigsten sind: fehlende Produktionsinfrastruktur, fehlende Fachkräfte und hohe Kosten. Würde man auch nur einen Teil der Produktionslinie in die USA verlagern – selbst die einfacheren, nicht-elektronischen Komponenten wie das Gehäuse und die Rückseite –, würde das den Preis des Endprodukts deutlich in die Höhe treiben.
Und man kann über das T1 sagen, was man will, aber immerhin muss man anerkennen, dass Trump Mobile seine Fangemeinde nicht abzockt …jedenfalls noch nicht. Entgegen aller Erwartungen ist das T1 im Vergleich zum 512-GB-U24-Pro mit gleicher Ausstattung tatsächlich preiswert. und das Einzige, worauf du verzichtest, sind das 60-W-Schnellladen und deine Würde.

Das soll nicht heißen, dass die Smartphone-Produktion niemals in die USA verlagert werden kann, aber dafür braucht es mehr als nur einen Handelskrieg und die Unterstützung von Donalds am wenigsten geliebtem Sprössling. Es braucht Investitionen – nicht nur in die Hightech-Fertigung, sondern auch in Menschen und Qualifikationen. Und es braucht eine über mehrere Jahrzehnte reichende, parteiübergreifende Vision, die nationale Interessen über Populismus stellt.
Wenn du deinen Patriotismus wirklich mit Taten untermauern willst, musst du bereit sein, dafür zu bezahlen. Derzeit ist das „Liberty Phone“ für 2.000 Dollar wohl das Beste, was du bekommen kannst, wenn du ein tatsächlich in den USA hergestelltes Gerät suchst. Und selbst dort heißt es nur, dass die „Elektronik“ in den USA hergestellt wird.
Der Lack ist ab
HTC hat 2017 einen Großteil seiner Smartphone-Entwicklung an Google verkauft und sich von der Eigenfertigung verabschiedet. Damit ein Gerät wie das U24 Pro im Jahr 2024 überhaupt entstehen konnte, war HTC vollständig auf Original Design Manufacturers (ODMs) in China angewiesen. Das ist nichts Ungewöhnliches. Abgesehen von Apple, Google, Huawei und ein paar anderen großen Namen setzen die meisten Smartphone-Hersteller auf ODMs, um ihre Handys entwerfen und produzieren zu lassen. Ob diese Designs exklusiv sind oder nicht, hängt vom jeweiligen Vertrag ab.
HTC hat sich zur Existenz des T1 bisher weitgehend ausgeschwiegen. Das könnte bedeuten, dass HTC die Rechte am Design des U24 Pro an Trump Mobile verkauft hat. Oder (und das halte ich für wahrscheinlicher) HTC hat die Rechte am Design von vornherein nie besessen.
Vor diesem Hintergrund gibt es eigentlich nur eine plausible Erklärung: In der extrem kurzen Zeit seit Entstehung der Marke, bei den offenbar begrenzten Stückzahlen und zu einem Preis auf U24-Pro-Niveau kann das T1 nur in Fabriken entstanden sein, die bereits über die nötigen Werkzeuge und Produktionsanlagen für genau dieses Smartphone verfügen. Diese Spur führt nach Guangdong in China: Dominic Preston von The Verge berichtet, dass Taiwans Zertifizierungsdatenbank NCC Guangdong Yuanchang Electronics Co., Ltd. als Hersteller des HTC U24 Pro nennt.

Nimmt man all das zusammen, bleibt vom „American-Proud-Design“ nicht viel übrig. Was wir hier haben, ist ein Handy, das in China entworfen und hergestellt wurde und dessen Bauteile größtenteils aus China stammen. Ich kann darin keinen Funken amerikanischen Nationalstolz entdecken. Ich weiß, wie sich echter Patriotismus anfühlt – ich habe ihn selbst schon gespürt. Das hier fühlt sich eher an wie Goldlack auf China-Hardware.
Reparierbar? Nur auf dem Papier
Beide Handys verdienen Lob dafür, dass sie sich anfangs gut öffnen lassen. Aber ein Gerät ist nur so reparierbar, wie Ersatzteile verfügbar sind. Zwei Jahre nach seiner Markteinführung gibt es für das HTC U24 Pro weder öffentlich zugängliche Servicehandbücher noch offizielle Ersatzteile. In Verbindung mit dem notorisch schwachen langfristigen Software-Support vieler White-Label-ODM-Geräte wird daraus Hardware mit eingebautem Ablaufdatum.
Aus diesem Grund erhält das HTC U24 Pro eine Reparierbarkeitsbewertung von 3/10. Das Trump Mobile T1 erhält vorläufig ebenfalls 3/10.
Sollte Trump Mobile die Branche überraschen, sich dem ODM-Trend widersetzen und eigene Wartungshandbücher sowie einen eigenen Ersatzteilkatalog veröffentlichen, würden wir diese Bewertung liebend gern entsprechend anpassen.
indem es sich dem ODM-Trend widersetzt und eigenständige Wartungshandbücher sowie einen eigenen Ersatzteilkatalog veröffentlicht, werden wir diese Bewertung gerne anpassen. Bis dahin übernimmt das T1 auch die Schwächen des Designs, auf dem es basiert.

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