Für dieses Wiki wird eine Gritzner 788 Maschine verwendet. Andere Maschinen funktionieren aber nach dem gleichen oder sehr ähnlichen Prinzip
Grundkomponenten einer Overlock
Nadel(n)
Eine Overlocknaht braucht mindestens eine Nadel. Die meisten Maschinen haben zwei. Sie sind mittels eines Nadelhalters an der Nadelstange befestigt. Die Nadelstange macht eine Auf- und Ab Bewegung. Meist ist die Nadelstange leicht nach hinten geneigt.
Obergreifer
Der Obergreifer macht eine recht komplexe Bewegung in zwei Raumrichtungen
Untergreifer
Der Untergreifer macht eine Pendelbewegung um eine Achse
Transporteur
Der Transporteur ist eine scharfkantig gezackte Leiste, die eine elliptische Bewegung macht. Während die Nadel im Stoff ist ist der Transporteur unterhalb der Stichplatte. Sind die Nadeln oberhalb des Stoffes fahren die Leisten hoch und ziehen den Stoff eine Stichlänge weiter.
Messer
Das Messer ist meist als bewegliches Obermesser, das mit der Nadel synchronisiert ist und festes Untermesser ausgebildet
Stichplatte
Die Stichplatte hat verschiedene Öffnungen für Nadeln und Transporteur und hinter den Nadeln zwei Spitzen und verschiebbares Metallteil, an dem die verschlungene Fäden fest gezogen werden. Für einen Rollsaum wird dieses Teil nach vorne weggezogen, dann findet die Verknotung an den Spitzen statt.
Stichbildung
Zur Veranschaulichung definiere ich die Position, bei der die Nadeln an der höchsten Stelle sind als 12 Uhr. Die meisten Maschinen drehen allerdings gegen den Uhrzeigersinn. Also läuft in der Veranschaulichung die Uhr rückwärts.
xx Uhr: Die Nadel sticht durch den Stoff und durch die Stichplatte
6 Uhr: Die Nadel hat den tiefsten Punkt erreicht und fährt wieder nach oben. dabei bildet der Faden am Nadelöhr eine Schlaufe.
4:30: Der Untergreifer fährt mit seiner Spitze durch die Schlaufe und zieht sie langsam nach rechts
xx: Die Spitzen des Obergreifers und Untergreifers treffen sich. Der Obergreifer nimmt sticht in die Schlaufe des Untergreifers
10 Uhr: Die Nadel fährt zwischen Obergreifer und Obergreiferfaden durch und nimmt den Obergreiferfaden mit
Zur Stichbildung kommt es darauf an, dass die 3 Komponenten richtig zueinander positioniert sind und sich richtig zeitsynchron bewegen (timing).
Die hohe Kunst der Positionierung ist, dass sich die Komponenten, die Fäden übergeben (Untergreifer - Nadel, Obergreifer - Unterfreifer, Obergreifer - Nadel) auf 0 - 0,05 mm nahe kommen sollen, aber sich nicht berühren dürfen. Die Einstellung der Geometrie ist eine mittelschwere Aufgabe, die ohne genaue Serviceanleitungen und Einstellehren viel Geduld und Verständnis erfordert.
Alle Bewegungen werden durch Mechanische Verbindungen zur Hauptantriebswelle gemacht. Mittels Exzenterscheiben wird die Rotationsbewegung der Welle in eine Translationsbewegung umgewandelt. Die Exzenter sind in der Regel mit 2 Schrauben an der runden Antriebswelle bewestigt. Werden diese gelöst oder unbeabsichtigt locker verändert sich die Synchronisation (timing). Arbeiten an der Synchronisation sind nur etwas für Fortgeschrittene.
Einstellmöglichkeiten an einer Overlock
Natürlich ist es modellabhängig, aber die folgenden Einstellmöglichkeiten hat fast jede Overlock
- Fadenspannung für jeden Faden
- Strichbreite
- Strichlänge
- Wahlmöglichkeit zwischen Normaleinstellung und Rollsaum
- Verstellung für den Nähfußdruck
- Aktivieren und Deaktivieren des Messer
Viele Maschinen haben noch einen differentiellen Stofftransport, bei dem der Transporteur vor und nach den Nadeln unterschiedlich läuft und Stoffe gedehnt oder gestaucht werden können
Wenn Du eine Overlock neu bekommst
- Übe zunächst mit einem billigen Stoff und probiere verschiedene Einstellungen aus und dokumentiere das Ergebnis
- Öffne die Abdeckung der Greifer und drehe langsam von Hand durch. Verfolge das Zusammenspiel (siehe Stichbildung) der Komponenten. Mache Fotos oder Videos. Messe wichtige Positionen (Höhe der Nadel über Stichplatte am höchsten Punkt, Position der Greifer, wenn Ober- und Untergreifer sich treffen, Postion der Nadeln relativ zum Untergreifer am tiefsten Punkt). Es gibt zu den wenigsten Modellen Justage-Anweisungen im Web zu finden, nicht einmal gegen Geld. wenn Du das alles an deiner neuen gut funktionierenden Maschine dokumentierst, gelingt eine Greiferjustage z.B. nach einem Crash besser.
Wenn die Overlock mal nicht funktioniert (Empfehlung für Reihenfolge im Troubleshooting)
Maschine läuft, aber es bildet sich keine Naht
- Fäden abschneiden, rausziehen und in der vom Hersteller vorgegebenen Weise komplett neu einfädeln.
- Neue Nadeln einsetzen
- Das Nähgarn einfädeln und einen einfachen Stoff verwenden, mit dem die Maschine am besten funktioniert. Idealerweise nimmst Du verschiedene Farben wie ich bei den Fotos.
- Klappe öffnen und langsam am Handrad drehen. Prüfen, ob die Greifer an der richtigen Stelle greifen (vermutlich mindestens einer nicht)
- Noch mal ne Nach drüber schlafen
- Greifer justieren (lassen)
Es hat irgendwas gecrasht, die Maschine blockiert, Nadel steckt noch im Stoff
- Netzstecker ziehen
- Nähfuß hoch
- Nähfuss entfernen
- Klappe auf und alle Fäden abschneiden, ggf. mehrfach
- Leicht am Handrad vorwärts und rückwärts drehen, bis sich ein Widerstand spüren lässt. das kann oft auch sofort sein. Manchmal lässt sich die Blockade aber so lösen
- Nadelschraube lösen. Nadeln nach unten drücken, kippen und versuchen raus zu ziehen. Schritt mit dem Handrad neu versuchen
- Schraube der Stichplatte lösen. Versuchen die Stichplatte zu lockern, ggf. zu entfernen. Schritt mit dem Handrad neu versuchen.
- Mit spitzer Schere den Stoff nahe der Blockadestelle zerschneiden.
- Wenn sich der Stoff entfernen ließ, auch alle Fäden entfernen.
- Stichplatte wieder befestigen
- Am Handrad drehen und testen, ob die Greifer ohne Blockade laufen
- Nähfuß wieder befestigen und neue (!) Nadel einsetzen. erneut mit dem Handrad auf Blockaden prüfen
- Wenn alles gut, neu einfädeln und Nähversuch
Motor läuft nicht
- Schalter auf an. geht das Licht ?
- Wenn nein, prüfen, ob die Steckdose Spannung hat und ob der Kombistecker richtig eingesteckt ist
- Wenn das nichts hilft, setzte eine Glühlampe (GLÜH, keine LED) ein, deren Widerstand du vorher gemessen hast.
- Schalter an und messe den Widerstand zwischen Pin und Pin. Wenn der dem der Glühlampe entspricht ist das Kabel / Stecker vom Fußanlasser defekt (. Wen der hochohmig ist, dann der Schalter oder die Verkabelung (—> Elektrofachkraft)
- Licht geht, aber Motor nicht (wenn das Pedal getreten wird): Die vordere Klappe, wenn geschlossen betätigt einen Sicherheitsschalter. Der kann mechanisch oder elektrisch defekt sein. Nehme die Nadel raus und Finger weit weg von allen beweglichen Teilen hinter der Klappe. Betätige den Schalter kurz mit einem Werkzeug (Pedal gedrückt halten). Läuft die Maschine an, Befestigung und Schlleßmechanismus in Ordnung bringen (NICHT dauerhaft feststellen oder Überbrücken)
- War das nicht die Ursache, Vordere Klappe zu, Schalter an. Widerstand zwischen Pin und Pin messen. Liegt der Widerstand bei Ohm, ist der Motor ok, Der Fehler liegt dann am Fußanlasser (Laie: neuer Fußanlasser, Elektrofachkraft kann ggf. den Triac überprüfen und reparieren)
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