Beliebte Fragen im Forum
Eine Frage stellenEs gibt noch keine Fragen. Stelle du die erste!
Hintergrund
TempleOS ist ein einzigartiges Betriebssystem mit biblischem Thema, das vollständig von einer einzelnen Person, Terry A. Davis, erstellt wurde. Ursprünglich 2005 als J Operating System gestartet und 2013 in TempleOS umbenannt, ist es ein 64-Bit-Betriebssystem ohne Netzwerkunterstützung, das als monolithischer Kernel von Grund auf neu entwickelt wurde. Es enthält einen eigenen Compiler, Editor, Kernel und eine maßgeschneiderte Programmiersprache namens HolyC.
TempleOS beschränkt sich bewusst auf eine einfache 640×480-Auflösung mit 16-Farben-Grafik und einstimmigem Audio – Entscheidungen, die Davis als direkte Anweisungen von Gott bezeichnete. Es unterstützt grundlegende Eingabe- und Dateisysteme, beinhaltet integrierte Grafik- und Programmierbibliotheken und bietet sogar Spiele wie das Orakel-Spiel After Egypt.
TempleOS wurde von Davis als ein moderner x86-64 Commodore 64 beschrieben, der eine Mischung aus frühen DOS- und Turbo-C-Oberflächen darstellt. TempleOS steht als unkonventionelles Beispiel für „Freizeitprogrammierung“, bei dem das gesamte System ohne Netzwerk, moderne Hardwareabstraktion oder Bibliotheken Dritter in Handarbeit erstellt und vollständig als Public Domain veröffentlicht wurde.
God's Lonely Programmer – Terry A. Davis
Die Geschichte von TempleOS ist weitgehend untrennbar mit dem Leben seines Schöpfers Terry A. Davis (1969–2018) verbunden, einem amerikanischen Programmierer, dessen außergewöhnliche technische Leistung von intensiven persönlichen Kämpfen geprägt war.
Davis erwarb Abschlüsse in Elektrotechnik an der Arizona State University und arbeitete professionell als Programmierer für Ticketmaster, bevor er Anfang der 2000er Jahre mit der Arbeit an dem begann, was später TempleOS werden sollte. Über ein Jahrzehnt hinweg entwickelte er das Betriebssystem komplett in Eigenregie. Davis beschrieb später, dass er schwere manische Episoden erlebte, die er als göttliche Offenbarungen interpretierte, welche seine Designentscheidungen leiteten und ihn glauben ließen, er sei von Gott angewiesen worden, einen digitalen „Dritten Tempel“ zu bauen. Seine tiefgreifenden psychischen Herausforderungen, einschließlich Schizophrenie und Perioden der Obdachlosigkeit, waren gut dokumentiert und mit seiner Online-Präsenz und seinem kreativen Prozess verwoben.
Die Vice veröffentlichte 2014 einen Artikel mit dem Titel “God’s Lonely Programmer”, der sowohl Davis' bemerkenswerte technische Fähigkeiten als auch seine zutiefst persönlichen Motivationen hervorhob – er porträtierte einen genialen, aber geplagten Menschen, dessen Arbeit sich den typischen Normen der Softwareentwicklung widersetzte. Trotz Kontroversen und Schwierigkeiten bleibt Davis' Werk ein einzigartiges Zeugnis für individuelles Handwerk in der Informatik.
Technische Details
Allgemeine Informationen
- Entwickler: Terrence Andrew Davis (15. Dezember 1969 – 11. August 2018)
- Lizenzierung: Public Domain
- Erstveröffentlichungsdatum: 2005 (unter dem Namen J Operating System)
- Letztes Veröffentlichungsdatum: 20. November 2017
- Nachfolger: ZealOS
Verfügbarkeitsinformationen
- Sprachen: Englisch
- Plattformen: x64
Systeminformationen
- Status: Fertiggestellt
- Modelltyp: Open Source
- Kernel-Typ: Monolithisch, Userland = UserCmdLine unter Verwendung von HolyC, Adam
- Standard-Benutzeroberfläche: 16-Farben-Grafik (speziell für TempleOS erstellt)
Systemfunktionen
- Integrierte Entwicklungsumgebung (IDE): Code-Editor, Compiler und Debugger sind nativ im Betriebssystem enthalten und ermöglichen sofortige „Compile-and-Run“-Workflows.
- HolyC-Sprache: Eigene Sprache mit direktem Zugriff auf Systemspeicher, Grafiken und Hardware-Routinen.
- Grafikbibliotheken: Integrierte 2D-Zeichen-Primitive, Sprite-Handling und Text-Rendering für schnelle Experimente und Spieleentwicklung.
- Dateisystem: Eine einfache, maßgeschneiderte Dateistruktur, optimiert für direkten Zugriff und geringen Speicherplatzbedarf.
- Kommandozeile: Ein hybrider Texteditor und Befehlsinterpreter, in dem Code und Befehle in derselben Umgebung ausgeführt werden.
- Spiele und Demos: Enthält Programme wie After Egypt und verschiedene grafische Demos, die die Fähigkeiten von TempleOS zeigen.
- Kein Netzwerk-Stack: TempleOS verzichtet bewusst auf Internet- und Netzwerkunterstützung, sowohl aus philosophischen als auch aus Sicherheitsgründen.
- Public-Domain-Lizenzierung: Das gesamte Betriebssystem inklusive Quelltext wurde als Public Domain veröffentlicht, was eine uneingeschränkte Nutzung und Modifikation ermöglicht.