Aufrüstbar ist wieder da! Der Mac mini 2024 im Teardown
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Aufrüstbar ist wieder da! Der Mac mini 2024 im Teardown

Dass ein Desktop-Computer aufrüstbaren Speicher hat, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Aber hey – beim neuen Mac mini 2024 ist das tatsächlich eine kleine Sensation! Nach dem Lösen einer einzigen Schraube lässt sich die SSD einfach herausziehen und gegen eine größere tauschen. Und das Beste: Anders als beim Mac Studio gibt es keine Software-Sperren. Mit dem Apple Configurator konnten wir problemlos SSDs mit höherer Kapazität einrichten.

Klar, Apple wäre nicht Apple, wenn es keinen Haken gäbe: Die SSD hat ein proprietäres Format – Upgrades vom Aftermarket werden also knifflig.

Trotzdem: Gebrauchte Teile dürften bald verfügbar sein. Und dass Apple eine austauschbare SSD verbaut, modulare Frontanschlüsse bietet und sogar direkt zum Start technische Dokumentation bereitstellt? Das hat uns echt überrascht. Endlich lässt sich der Mac mini wieder upgraden!

All diese Verbesserungen haben dem 2024er mini einen ordentlichen Reparierbarkeits-Index von 7 von 10 Punkten beschert. Nicht schlecht, Apple!

Upgrades sind wieder drin: Die austauschbare SSD im M4 Mac mini

Apple hat für Speicher-Upgrades beim Mac schon immer deutlich mehr verlangt als die Konkurrenz. Früher war das aber kein großes Problem: RAM und SSDs waren Standard-Bauteile – du konntest also bei Apple die günstigste Version kaufen und die Upgrades woanders für weniger Geld bestellen. Dann fing Apple an, alles auf die Hauptplatine zu löten. Und mit Apple Silicon wurde schließlich alles in einen Chip integriert: RAM, Speicher und GPU.

Die Konsequenzen sind heftig: Erstens kannst du integrierte Bauteile weder aufrüsten noch austauschen, was die Nutzungsdauer deines Computers deutlich verkürzt. Zweitens lassen sich defekte Macs nicht mal mehr als Ersatzteillager nutzen. Und drittens musst du Apples absurde Upgrade-Preise direkt beim Kauf schlucken.

Wie dreist Apples Upgrade-Preise sind, zeigt ein aktueller Vergleich bei Golem: Für den Preis eines einzigen RAM- und Speicher-Upgrades von 16 GB/256 GB auf 32 GB/512 GB könntest du gleich zwei Mac minis zum Basispreis von 699 Euro kaufen. Der Aufpreis für doppelten RAM? Schlappe 460 Euro. Dazu kommen noch mal 230 Euro für die größere SSD. Autsch.

Der neue Mac mini 2024 hat zwar weiterhin verlöteten RAM – das ist bei der Unified Memory-Architektur inzwischen Standard. Aber die SSD lässt sich tauschen! Wir haben erfolgreich eine 256-GB-SSD gegen eine 512-GB-Version getauscht und mit dem Apple Configurator problemlos zum Laufen gebracht. Sogar der Austausch von baugleichen 256-GB-SSDs zwischen zwei Basismodellen hat einwandfrei funktioniert.

Moment mal – das ist echt eine große Sache! Klar, der größere Mac Studio hatte auch modularen Speicher, aber keine Software-Lösung für Austausch oder Upgrade. 2022 klappte der Versuch, die SSDs zu tauschen, überhaupt nicht: Egal welche Kombination wir in den beiden SSD-Slots des Mac Studio ausprobierten – der Computer startete nicht mehr. Auch der Apple Configurator half da nicht weiter. Deshalb waren wir ehrlich überrascht, als der Tausch beim Mac mini so reibungslos funktioniert hat.

Der 2024 Mac mini auf dem vorherigen Mac mini, auf einem Mac Studio.
Hoffentlich bringt Apple auch für den nächsten Mac Studio austauschbare SSDs.

Der Anfang war also vielversprechend – jetzt kommen die Haken.

Erstens: Der Speicher im Mac mini ist nicht standardisiert. Klar, er sieht aus wie ein M.2-Speicher, aber du kannst ihn nicht einfach im Handel kaufen und einbauen, wie das bei den meisten Windows- und Linux-PCs der Fall ist. Immerhin sind die Teile modular – das bedeutet, dass es in Zukunft gebrauchte Ersatzteile aus anderen Mac minis geben könnte. Und da es keine Software-Sperre gibt, stehen die Chancen für Aftermarket-Teile gar nicht schlecht.

Falls du dich wunderst: Die SSDs der beiden Mac mini Modelle sind unterschiedlich. Die 256-GB-Version im Basis-M4-Modell ist kleiner, sieht eher nach Standard aus und sitzt an einer komplett anderen Stelle als die SSD im M4 Pro. Das liegt wohl am größeren Chip des M4 Pro und dem entsprechend größeren Kühlkörper. Die Anschlüsse sahen aber so ähnlich aus, dass wir den Tausch einfach ausprobieren mussten.

Die SSD des M4 passt gerade so in den M4 Pro: Einer der integrierten Schaltkreise auf der Leiterplatte drückt dabei gegen den Kühlkörper. Die SSD des M4 Pro passt zwar in den M4, aber dafür muss erst ein Abstandshalter entfernt und der Lüfter angeschlossen werden, bevor die Karte eingebaut werden kann. Für Tests mit dem Apple Configurator fehlte uns leider die Zeit – wir sind aber super gespannt auf die Ergebnisse. Klar, wir empfehlen nicht unbedingt, physisch inkompatible Laufwerke zu tauschen, aber wir können es kaum erwarten zu sehen, was die Tech-Community daraus macht. Eigentlich sollten beide Laufwerke gleich sein – gerade mit Blick auf die langfristige Nutzung der Macs. Aber hey, besser als festgelötete oder verklebte Teile ist es allemal!

Mac mini 2024 RAM Nahaufnahme
Der Arbeitsspeicher ist nach wie vor nicht zu reparieren.

Da es sich nicht um Standard-SSDs handelt, machen wir uns keine großen Hoffnungen auf Aftermarket-Teile. Aber selbst wenn jemand die Hardware-Hürde meistert, bleibt abzuwarten, ob der Apple Configurator auch Karten von Drittanbietern akzeptiert. Irgendeine Art von Konfiguration wird auf jeden Fall nötig sein, da der Speicher-Controller direkt im Apple-Chip integriert ist.

Klein aber oho: Apples neue Kühlungstricks

Der Mac mini hatte sich seit 2010 in Form und Größe kaum verändert. Und selbst das 2010er-Design war nur eine flachere Version des Originals von 2005 – damals bestimmte noch das CD/DVD-Laufwerk die Größe.

Dieses betagte Format war für den winzigen Apple-Silicon-Chip im M1 Mac mini eigentlich völlig überdimensioniert. Aber es hatte einen riesigen Vorteil: Das Kühlsystem, ursprünglich für die deutlich heißer laufenden Intel-Chips entwickelt, war für Apples sparsame SoCs total überqualifiziert. Die Lüfter in meinem eigenen M1 Mac mini? In all den Jahren nicht ein einziges Mal gehört.

CT-Scan des mac mini zeigt den Lüfter
Wir sind große Fans des neuen Kühlsystems.
Wir sind große Fans des neuen Kühlsystems. Ein Gerät um die Hälfte zu schrumpfen ist eine Sache – aber die Kühlung auf so wenig Platz unterzubringen eine ganz andere.

Der neue, kleinere Mac mini (5×5 Zoll) hat ein komplett neues Kühlsystem: Das kreisförmige Bodengitter wird sowohl zum Ansaugen der kühlen Luft vorne als auch zum Ausstoßen der warmen Luft hinten genutzt. Dazwischen wird die Luft durch verschiedene Schichten geleitet, um sie zu kühlen.

Schau es dir selbst in dieser interaktiven Ansicht aus unserem Lumafield Neptune CT-Scanner an:

Das Netzteil selbst (das übrigens ein echtes Kunstwerk ist) ist nicht mehr als Modul verbaut, sondern sitzt offen ganz oben im Gehäuse, direkt unter dem Apple-Logo. In den Pressematerialien betont Apple, dass die Stromversorgung jetzt über den Computerteilen liegt statt darunter – was verhindert, dass der SoC zusätzlich aufgeheizt wird. Und da die Hauptkühlung in Bodennähe stattfindet, bekommt der heiße SoC als erstes die kühle Luft ab.

Die Mac mini Modelle M4 und M4 Pro im Vergleich, von unten geöffnet
Links das Basis-M4-Modell, rechts der M4 Pro mit deutlich größerem Kühlsystem

Auch bei der Kühlleistung gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Modellen M4 und M4 Pro: Das M4 Pro-Modell hat ein viel stärkeres Kühlsystem – von einem dickeren Wärmerohr bis hin zum verbesserten Kupfer-Kühlkörper mit mehr Lamellen.

An dieser Stelle müssen wir über den neuen Power-Button sprechen, der sich an der Unterseite befindet. Ein neues Apple-Gerät zum ersten Mal einzuschalten ist ja immer ein kleines Rätsel – ich musste damals bei meinem alten iMac von 2010 erst mal googeln, wo der Power-Button überhaupt sitzt. Bei den vorherigen Minis war er hinten rechts in der Ecke, und man musste drumherum greifen, um ihn zu drücken. Beim neuen Design sitzt er zwar hinten links, aber an der Unterseite. Zum Einschalten musst du mit dem Finger unter den Mac greifen.

Ehrlich gesagt verstehen wir die große Aufregung nicht. Der Button ist nicht schwerer zu finden als beim alten Modell, und der kleine Mac wird dir schon nicht den Finger abquetschen. Vielleicht ist er sogar leichter zu ertasten als der Button des Mac Studio, der beeindruckend bündig mit dem Gehäuse abschließt. Außerdem muss ich meinen stationären Mac eh nicht so oft aus- und einschalten. Das neue Modell ist zudem komplett aus Aluminium, während das alte Modell noch einen Kunststoffeinsatz für die Anschlüsse und den Power-Button hatte. Ein Button auf der Rückseite hätte ein zusätzliches Loch im Gehäuse bedeutet.

CT-Scan zeigt das Innenleben des Mac mini
Clever verpackt: Trotz der kompakten Bauweise bleibt alles gut zugänglich

Wir fragen uns allerdings, wie sich dieses neue Design auf die vertikale Nutzung auswirkt. Der vorherige Mac mini funktionierte prima hochkant – mit dem Luftauslass nach oben. Wenn das neue Design auf Konvektion setzt, um die Luft durch das Innere und wieder nach außen zu leiten, könnte die vertikale Position nicht optimal sein. Andererseits werden Mac minis in großen Serverfarmen ständig hochkant in Serverracks verbaut, was Apple sogar im Release-Video erwähnt. Den neuen Mini mit Klettverschluss an der Rückseite eines Monitors zu befestigen, sollte also kein Problem sein. Aber wenn du ihn auf die Vorderseite stellst, mit der Rückseite nach oben, hast du keinen Zugang mehr zu den Frontanschlüssen. Womit wir bei…

Modulare Frontanschlüsse

Der neue Mac mini hat modulare Anschlüsse an der Vorderseite. Cool! Die beiden USB-C-Ports und die Kopfhörerbuchse lassen sich einzeln und ohne Löten austauschen. Die Anschlüsse auf der Rückseite sind allerdings alle verlötet. Klar, am liebsten hätten wir alle Anschlüsse modular – aber da die vorderen Ports stärker beansprucht werden, ist das ein vernünftiger Kompromiss.

Auch die Kopfhörerbuchse wäre vielleicht besser auf der Rückseite aufgehoben, wo sie früher war. Bei einem Desktop-Computer ist es ja wahrscheinlicher, dass er dauerhaft mit einem Lautsprecher oder Kopfhörer verbunden ist, und das Kabelmanagement wäre hinten deutlich übersichtlicher. Das hängt aber von deiner Nutzung ab, also keine große Kritik an dieser Stelle.

Klimaneutral – was heißt das eigentlich?

Kommen wir zu Apples Nachhaltigkeitsversprechen. Der Mac mini 2024 ist laut Apple der „erste klimaneutrale Mac“.

Die Änderungen, die Apple auf dem Weg dahin vorgenommen hat, sind lobenswert – und es ist wichtig, dass alle Unternehmen ihre CO₂-Emissionen reduzieren. Zertifizierungen wie „klimaneutral“ motivieren Unternehmen dazu, ihre Prozesse zu verbessern und in CO₂-Bindung, Aufforstung und andere wichtige Initiativen zu investieren.

Aber Vorsicht: „Klimaneutral“ bedeutet nicht, dass der Mini keine Emissionen verursacht. Und es heißt schon gar nicht, dass ein neuer klimaneutraler Mini besser ist als die Reparatur deines alten Geräts.

Röntgenaufnahme zeigt den Mac mini 2024 und sein aufgerolltes Netzkabel in der Verpackung
Weniger ist mehr: Apple spart weiter bei der Verpackung

Apple hat tatsächlich einige wichtige Prozessverbesserungen umgesetzt: Das recycelte Aluminium-Gehäuse des Mini wird im Fließpressverfahren hergestellt, bei dem weniger Abfall anfällt als bei anderen Methoden der Aluminiumherstellung – laut Apple 85 % weniger, was mit der Effizienz übereinstimmt, die wir aus der Forschung kennen. Apple erklärt außerdem, dass die Energie für die Herstellung zu 100 % aus erneuerbaren Quellen stammt und sie mehr auf dem Seeweg statt in der Luft transportieren (50 % des Gewichts laut Apple). Der Lufttransport macht einen großen Teil der Emissionen von Konsumgütern aus –  und zwar bis zu 15 Mal mehr als der Transport auf dem Land. Nicht umsonst hat iFixit kürzlich ein neues Lager in Tennessee eröffnet: Auch wir wollen mehr auf dem Landweg und weniger in der Luft verschicken. Diese Änderungen bedeuten eine erhebliche Reduzierung von Apples Emissionen, die es wert ist, gewürdigt zu werden.

Die Behauptungen zur Klimaneutralität verdienen allerdings einen genaueren Blick. Der Markt für CO₂-Zertifikate ist unzureichend reguliert, und Aussagen über CO₂-Kompensation sind bekanntermaßen schwer zu überprüfen. Die erste Organisation, die Apple in seinem Mini-Nachhaltigkeitsbericht nennt, Verra, wurde letztes Jahr heftig kritisiert. Eine gemeinsame Untersuchung von The Guardian, Die Zeit und SourceMaterial ergab, dass „mehr als 90 %“ der Regenwald-Kompensationsgutschriften von Verra „wahrscheinlich ‚Phantom-Gutschriften‘ sind und keine echten CO₂-Einsparungen darstellen“.

Dennoch sind all diese Bemühungen um Emissionsreduzierung und die Finanzierung klimafreundlicher Projekte ein Schritt in die richtige Richtung. Und Apple könnte auf diesem Weg noch weitergehen – mit noch mehr Reparierbarkeit, Modularität und Wiederverwendung. Als Fairphone die Nachhaltigkeitseffekte von Reparaturen über die Lebensdauer ihrer Telefone untersuchte, stellte sich heraus, dass die meisten Teile ihre Emissionsauswirkungen schon wettmachen, wenn sie die Lebensdauer des Telefons nur um ein paar Tage verlängern. Wir würden uns freuen, wenn Apple die gleiche Analyse durchführen würde: Welche Emissionsreduzierung bringt der M4 mini dank der verlängerten Lebensdauer durch seine modulare SSD? Was wäre möglich, wenn noch mehr Komponenten modular und leicht austauschbar wären?

Das Highlight ist eindeutig der vom Nutzer austauschbare Speicher – aber das ist nur dann sinnvoll, wenn Apple uns den Kauf von Ersatz leicht macht, idealerweise auch von Drittanbietern. Das Gleiche wünschen wir uns auch für Apples mobile Geräte. Klar, eine große externe SSD an einen Desktop-Computer anzuschließen ist ein Leichtes, aber bei einem Laptop ist zusätzlicher Speicherplatz eine echte Herausforderung. Insgesamt zeigt der neue Mac mini aber typisch für Apple, wohin die Reise bei der Reparierbarkeit geht – in die richtige Richtung, wenn auch langsamer als uns lieb ist.

Mac mini zerlegt auf dem Tisch