Right to Repair

Wie geht es den Reparatur-Initiativen während der Pandemie?

Mann mit Namensschild "Steve" arbeitet an einem Laptop-Bildschirm.

Anfang Februar 2020 haben wir die Repair Cafés und Gruppen vorgestellt, die wir mit kostenlosem Werkzeug im Wert von jeweils 500 € zusätzlich unterstützen, damit sie euch helfen können, Dinge zu reparieren. 

Zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, was uns 2020 noch alles erwarten würde: Abstand halten, Maske tragen, neue Hygienevorschriften, Kontaktbeschränkungen, Lockdown; das alles lässt vermuten, dass die lokalen Reparaturtreffen, bei denen es ja gerade darum geht, dass man sich persönlich sieht und gemeinsam an einem Gerät arbeitet, wohl in ihrer bisherigen Form nicht stattfinden konnten. Wir haben nachgefragt: Wie schaut es aus mit der DIY-Reparatur, welche Initiativen gab und gibt es, hat Corona auch das Reparieren in die Krise gestürzt?

Im Gegenteil! Angefangen hat es wohl mit dem Nähen von Masken, was vielerorts dazu geführt hat, das zunächst die alte Nähmaschine wieder vom Dachboden geholt wurde, die dann vielleicht selber erst mal repariert werden musste. Viele Menschen hatten auf einmal mehr Zeit, sich um all die kleinen Dinge im Haus zu kümmern, deren Reparatur sonst in eine unbestimmte Zukunft verschoben wurde. Wenn draußen die Welt im Chaos versinkt und man keinerlei Einfluss darauf hat, ist es doch ein gutes Gefühl, wenn man wenigstens innerhalb der eigenen vier Wände Ordnung schaffen kann. Wir haben uns jedenfalls sehr gefreut zu sehen, dass Reparatur und auch Solidarität in der Krise wieder mehr Wertschätzung erfahren haben

Solidarität und gegenseitige Hilfe, das ist auch das Stichwort für die über 2000 Repair Cafés, 60 Restart Party-Gruppen und die Fixit-Kliniken weltweit, in denen es darum geht, sich gegenseitig bei kleinen und großen Reparaturen zu unterstützen und auch Neulinge in der Reparatur zu ihren ersten Erfolgsgeschichten zu begleiten.

Viele von ihnen haben Wege gefunden, auch mit Abstand zu helfen. Sie haben uns erzählt, wie es ihnen während der Pandemie bisher ergangen ist und was sie alles auf die Beine gestellt haben:

Hände, die eine Zange verwenden, um Schmuck zu reparieren.

Die “Market Harborough Fixers”, eine ehrenamtliche Initiative in Großbritannien, hat Mini-Meetings mit zwei Personen und einen Abholservice organisiert: Menschen, die Hilfe brauchten, konnten ihre defekten Geräte und Dinge abgeben und ein oder zwei Wochen später hoffentlich repariert wieder abholen, je nachdem, wie komplex die Sache war.


Auf einem Reparaturtisch ausgelegte Werkzeuge.

In Westervoort-Duiven in den Niederlanden waren die Infektionszahlen so niedrig, dass das Stichting Repair-Café weiterhin geöffnet bleiben durfte – natürlich mit weniger Helferinnen und Helfern und auch hier konnten Dinge nur abgegeben und wieder abgeholt werden, sodass nicht zu viele Menschen in der Werkstatt waren.


Ein Helfer und ein Besucher der Restarters Firenze arbeiten gemeinsam an einem Gerät.

Obwohl die Restarters Firenze in Italien ihren Betrieb fast komplett einstellen mussten, konnten sie ziemlich schnell was Neues auf die Beine stellen. Der Kontakt zur Stadtverwaltung und das Netz an Freiwilligen ist so gut, dass sie sich auf das Aufbereiten von alten Computern, Laptops, Tablets und Smartphones spezialisieren konnten, die wiederum all den Menschen zugute kommen, die von Zuhause aus Unterricht haben oder arbeiten müssen.


Das Restart Project in London hat sich mit Catbytes zusammengetan, die ebenso alte Laptops sammeln, aufbereiten und zur Verfügung stellen. Zusammen mit den Freiwilligen konnten sie viele gespendete Geräte wieder auf Vordermann bringen.


Ein Besucher eines Repair-Cafés wird bei der Benutzung eines Bohrers angeleitet.

Die MetroVan Repair Cafes in Vancouver, Kanada, veranstalteten im September ein Open Air Event, bei dem angemeldete Leute – mit Abstand – ihre Geräte reparieren konnten. Jetzt bereiten sie gerade ein virtuelles Event vor, bis sie sich wieder persönlich treffen können


Antiker Stuhl mit abgebrochenem Bein, bereit zur Reparatur.

Seit über acht Jahren gibt es schon das Repair Cafe Malvern Hills in Großbritannien, auch die Pandemie war für die Gruppe kein Grund, aufzugeben: Im Mai stellten sie um, Geräte können nur noch abgegeben und abgeholt werden und die Reparaturen werden nun von den freiwilligen Helfern zu Hause durchgeführt. Jeder, der diesen Service in Anspruch nehmen möchte, kann per E-Mail Richtlinien und Formulare für die Registrierung und den Haftungsausschluss anfordern. Nach Erhalt der ausgefüllten Formulare wird der Gegenstand auf die Warteliste gesetzt und man wird kontaktiert, sobald ein Helfer Zeit hat.

Fast alle der sieben Freiwilligen sind zuhause ziemlich gut ausgerüstet und können sich an elektronische Dingen, Haushalts- und Gartengeräten, Möbel, Radios, Keramik und Uhren heranwagen. Kleidungsstücke dagegen können aus Hygienegründen gerade nicht repariert werden. Dafür gibts aber jeden Samstag vor Ort die Möglichkeit, Messer schleifen zu lassen.

Durch dieses System konnte das Team während der Pandemie mehr als 200 Dinge reparieren, wobei so Mancher auch eine recht lange Anfahrt auf sich genommen hat, um das Lieblingsgerät wieder zum Laufen zu bringen. Immer öfter sind es Gegenstände mit sentimentalem Wert, zum Beispiel Familienerbstücke, die gebracht werden, und die Freude über die gelungene Reparatur drückt sich dann in großzügigen Spenden aus.

Das Team vom RCMH hofft, dass sie diesen Service so lange aufrecht erhalten können, bis sie ihre Türen wieder für alle öffnen können. Durch ihre tolle Arbeit bleibt zumindest der ökologische und wirtschaftliche Vorteil des Repair Cafés aufrechterhalten, allerdings fehlt ihnen die soziale Interaktion doch sehr.


Zoom-Anruf mit Mitgliedern der Boulder U-Fix-It Clinic

Die U-Fix-It Clinic in Boulder, Colorado, hat sich mit anderen Fixit Kliniken und Repair Cafés auf der ganzen Welt zusammengetan, um Menschen online über Zoom und Discord bei der Reparatur zu begleiten. Wayne Setzer, einer der Organisatoren, sieht daher durchaus auch Positives in dieser Zeit: “Wenn es die Pandemie nicht gegeben hätte, gäbe es auch diesen tollen Austausch nicht. Besonders die Anleitungen für die Reparatur von Wasserkochern haben wir oft gebraucht und ich habe auch immer wieder das Manta Precision Bit Set empfohlen, da viele Wasserkocher mit Security-Schrauben gesichert sind”. Für das nächste (englischsprachige) Online-Event kann man sich hier anmelden.


Mitglieder des französischen Repair-Cafés bauen neue Regale für ihren Raum.

Das Repair Café de Malakoff in Frankreich konnte zwar nicht mehr reparieren, aber sie haben die Pause genutzt, um in neue Räumlichkeiten zu ziehen. La Tréso ist ein sogenannter dritter Ort mit Workshops, Fablab, Küche und Café. Das nächste Repair Café soll dort im Februar stattfinden.


Das Lipor – CREW Projekt in Portugal, hat auf Instagram zusammen mit einer lokalen Mall live Sessions abgehalten. Sie nennen die Sessions “repara (n)isto”, ein Wortspiel im Portugiesischen. Sie haben die Pause außerdem genutzt, um die Webseite auf Vordermann zu bringen und über ein kleines Quiz mehr Aufmerksamkeit auf Wegwerfartikel und Reparatur zu lenken.